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#132 Das “The grass is greener on the otherside”-Syndrom

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“Versuch nicht besser zu sein als andere. Versuche besser zu sein, als du es gestern warst.”
Verfasser unbekannt

Jeder und damit meine ich wirklich jeder kennt das Gefühl: Man macht irgendetwas und dann kommt ein Typ angelatscht und hat dasselbe gemacht, nur besser, viel besser, unbeschreiblich besser. Sofort fühlen wir uns mies, entwertet, als Nichtskönner degradiert.
Aber ist das wirklich so?

Auch das Spiegelbild ist verkehrt

Du schaust täglich in den Spiegel (hoffe ich doch), aber ist es das wahre Bild von Dir?
Nein.
Du und auch ich sehen uns immer spiegelverkehrt, anders ist es auf Fotos, dort sind wir so abgebildet, wie die Menschen mich oder dich sehen. Aber es ist irgendwie verstörend. Wir kommen uns fremd, ja vielleicht dick oder hässlich vor. Das Ich hat zwei Seiten, eins, das vertraut ist (unser Spiegelbild) und eine befremdliche Version, die sich außerhalb unseres Sichtfeldes abspielt.

So sprechet und höret

Als erfahrener Podcaster kenne ich das Phänomen. Menschen, die singen oder professionell sprechen, wissen was ich meine.
Die Stimme. Täglich höre ich sie, weil ich mich selbst beim Sprechen höre, aber banne ich die Worte auf ein Medium und höre mir dieses auch noch an, fährt mir der Schrecken in die Glieder.
Soll dies meine Stimme sein, mit der ich die ganze Zeit meine Umwelt belästige?
Ja, sie ist es. Die Mechanik dahinter ist simpel, aber genauso verstörend für uns.
Der Knochenschall.
Kurzer Ausflug zu Wikipedia: Knochenleitung, auch Knochenschall oder Osteoakusis genannt, bezeichnet die Weiterleitung von Schall-Schwingungen bzw. Vibrationen durch den das Gehörorgan umgebenden Schädelknochen unter Umgehung des Mittelohrs. Die Wahrnehmung des „Knochenschalls“ wird wegen des hohen Schallwellenwiderstands des Schädelknochens normalerweise von den als Luftschall übertragenen Signalen überdeckt.
(Quelle Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Knochenleitung)
Auch hier erliegen wir wieder einer unbewussten Täuschung des Lebens.

Schauen wir uns das Grün doch einmal an

Nach all den Täuschungen, die der Körper für uns bereit hält (ist es eine Täuschung oder nur Natur?) stellen wir uns die Frage: Ist das Gras drüben, über den Zaun hinweg, in einer anderen Liegenschaft, grüner als das meine?
Gehen wir einmal davon aus, wir haben keinen Schrottrasen gekauft und brav gewässert, dann sollte alles gleich sein.
Lösen wir die Analogie auf: Haben wir denselben oder ähnlichen Wissensstand wie der Typ von oben (der Geschichte), dann dürfte unsere Arbeit nicht besser oder schlechter sein. Aber sie ist anders. Dies könnte schon ausreichen, um uns schlecht zu fühlen und noch schlimmer, uns schlecht zu machen. Auch wenn dies nur im Geiste geschieht, ist das immer noch eine Vergiftung unserer selbst, die mit 100% Sicherheit nicht gerechtfertigt ist.

Lernen statt leiden

Gehen wir mal davon aus, der Typ hat wirklich etwas erschaffen, das wir ohne Neid und grüner Rasen besser finden. Statt sich selber schlecht zu machen (ich weiß, dass widerspricht dem Neid), sollten wir lernen, mit den Augen zu stehlen (aber nicht stumpf kopieren). Dies ist eine wirksame Methode, um besser zu werden, um zu wachsen. Das Leid hat keine Chance und wir wachsen und Wachstum, egal was man macht, ist der Schlüssel zum Erfolg.

180 Grad (und keine 360)

Versetzen wir uns wieder mal in die Lage von dem Typen, ganz am Anfang der Geschicht. Jetzt stellen wir uns mal vor, dass er genau dieselben Gedanken hat. Das Grün auf unserer Seite als grüner ansieht. Dann hätten wir ein Patt, aber keiner weiß davon. Alle leiden.
Wäre es nicht sinnvoll, sich selbst als Huldigung des eigenen Könnens und dem anderen als Respekt vor dessen Arbeit auf die Schulter zu klopfen?
Die Welt wäre ein kleines Stückchen besser.
Vergesst es: Es gibt kein Amen.

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Rohan de Rijk

Rohan de Rijk wurde in den 68er Jahren in Düsseldorf geboren. Rohan bezeichnet sich seit frühester Kindheit als „Extrem-Leser“. Sein erster Thriller „Schnee am Strand“ erschien 2018. Davor hatte Rohan einige Kurzgeschichten und den Gedichtband „düster Zeilen“ veröffentlicht. Er bekennt sich zum Selfpublishing, weil seine Kreativität dort am besten zum Tragen kommt. Als gelernter Mediengestalter designt er seine Cover selber. So ist jedes Buch ein 100%iger Rohan de Rijk. Sein Leben als Schriftsteller und Freigeist teilt er mit der Welt in seinem Podcast „Rohan´s 13 Minutes“. Rohan de Rijk lebt heute mit seiner Familie in Mönchengladbach und in Noord-Holland.

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