Schlagwort-Archiv Kreativität

VonRohan de Rijk

#87 Die Lust nach Stille

Lesezeit: 3 Minuten

Gönnen wir uns mal wieder einen Urlaub, haben wir uns gesagt. Nach zwei Jahren war es mehr als Zeit. Mal was anderes sollte es sein, wurde es auch. Niederlande hörte sich schon mal cool an. Resort mit eigener Kirmes, nicht von der Hand zu weisen. Essen, Trinken, Karussellfahren without a Limit, machen wir.

Und dann war es vorbei mit der Stille

Hätte man sich denken können, dass ein Hotel mit 1.000 Betten keine Oase der Stille ist? Hätte man sich denken können, dass ein Hotel, das auf Spiel und Spaß ausgelegt ist, nicht der ruhigste Ort auf dem Erdball ist? Hätten wir es uns vorher überlegt, was auf uns zukommt, hätten wir es trotzdem gemacht.
Aber der Kontrast hätte nicht größer sein können. Wochenende 1: Kaffee im Garten und man hört nichts (außer Vögel). Wer dies schon einmal erlebt hat, weiß, wie seltsam sich so eine Stille anhören kann.
Wochenende 2: Hunderte Leute, hunderte Stimmen und allerlei Hotelgeräusche zum Frühstück, Mittag- und Abendessen und zwischendurch sowieso.

Erholung pur?

Nein. Damit war nicht zu rechnen, auch damit nicht, dass es nicht die geringste Rückzugsmöglichkeit gab, außer das Zimmer, aber wer ist im Urlaub ein Stubenhocker. Also blieb einem nichts anderes übrig, als die Ohren auf Durchzug zu stellen und die Geräusche auszublenden.

Warum ist Stille wichtig?

Warum ist schlafen wichtig? Der Körper braucht den Ausgleich. Wach sein funktioniert auch über 24 Stunden hinaus, aber irgendwann kommt der Punkt, da wird der Tribut eingefordert, in diesem Beispiel der Schlaf. Und genauso geht es mit Geräuschen (vielleicht auch nur bei mir so). Eine gewisse Zeit ist eine Geräuschkulisse duldbar, aber dann braucht man die Stille, den Ausgleich vom Trubel. Man merkt, der Mensch ist Ying und Yang. Er (natürlich auch sie) braucht den Ausgleich, die Balance um eins zu sein. Bekommt er (oder sie) dies nicht, dann fängt es an zu bröckeln. Man wird mies gelaunt, andere Menschen gehen einem gehörig auf die Nerven. Jetzt weiß man, dass der Zeitpunkt gekommen ist, auf die andere Seite zu wechseln.

Lärm ist der Killer der Kreativität

Normalerweise bin ich, egal wo ich stehe oder sitze, kreativ. Satzfragmente für das Buch oder Visionen für Grafiken galoppieren durch das Hirn. Aber je mehr Dezibel, umso weniger kommt es zu einem kreativen Gedanken. Das feuchte Brötchen ist blockiert durch den Lärm. Es fühlt sich an wie eine Kastration der Synapsen, nichts oder nur sehr wenig will überspringen.
Nun, mag sich der geneigte Leser denken, ein wenig Pause wäre mal nicht schlecht, aber das ist es ja: Wäre es eine Belastung für mich, dann wäre es richtig. Aber Kreativität ist ein Teil meines lebenserhaltenden Systems.

Nochmal?

Natürlich würden wir wieder in Hotels mit vielen Menschen Urlaub machen. Es gab nicht nur die überwältigenden Massen. Teilweise waren die Karussells so leer, dass ich eine exklusive Fahrt hatte, ist doch auch mal was. Ich habe allerdings gemerkt, dass ich doch eher Team leise bin, wenn es darum geht, den Tag zu verbringen. Ausnahmen sind natürlich Kirmes, Musik oder Partys, nur empfand ich diese 8 Tage doch ein duldsam klein wenig zu viel des Lärmenden.

Lärm oder Unkoordination?

Ist vielleicht der Lärm nicht der einzige Faktor, warum ich so Events nicht immer ganz so gut aushalten kann? Leute, die im Weg stehe, nerven. Leute, die beim Büffet, an Engstellen oder im Eingang rumlungern, nerven. In einem Hotel mit 1.000 Betten sind das Umkreisen dieser Spezies Mensch schon eher ein permanenter Hindernislauf, mal mit vollen Tellern, mal mit einem Tablett mit vielen Getränken. Es nervt.

Wenn man das Gegenteil nicht kennt

Aber im ganzen Lärm und Menschen-Gewusel gibt es auch etwas, was man gelernt hat: Würde man die Erfahrung (des Lärms) nicht machen, dann würde man die Stille und deren darin innewohnende Kraft nicht zu schätzen wissen und so bin ich um einige Erfahrungen und etliche Karussellfahrten reicher.
Und zum Schluss noch einen Kopfschüttler: Eine Flüssigkeit, die man in ein Weinglas schüttet, ist nicht automatisch Wein.

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VonRohan de Rijk

#84 In einer Welt, die den Plural der Egomanie geopfert hat

Lesezeit: 3 Minuten

Etwas hat die Welt verändert. Oder hat die Welt sich verändert?
Länder schließen sich zusammen. Warum? Um besser und stärker zu sein, den Gegner niederzuringen, um effizienter Krieg zu führen.
Länder schließen sich zusammen. Warum? Um einen Wirtschaftsraum zu erschaffen, der vieles einfacher aber auch billiger macht und um Grenzen im Wirtschafts- und Zahlungsverkehr zu eliminieren.
Das ist das große Ganze.
Aber wie sieht es im Kleinen aus? Im Molekül der Gesellschaft. Als Analogie sei hier das Dorf genannt. Dies gab den Menschen Schutz und verteilte die Aufgaben auf viele Schultern.
Der Stand heute? Die Gesellschaft driftet ins Atomare ab. Single ist der neue Standard, Freunde sind Bits und Bytes, Familien liegen hunderte Kilometer auseinander und/oder liegen im Klinsch der Generationen. Beziehungen sind nur noch Freundschaft Plus oder “Ich hole mir, was ich will” und damit hat es sich dann auch. Der Mensch als benutztes Objekt.
So schmilzt das Wir zu einem Ich.
Wie sieht es mit dem Monetären in dieser Welt aus?

Geldgeschäfte: Eine Doppelmoral?

Waren Geldgeschäfte schon immer dem Egoismus untertan? Immerhin geht es hier um etwas, das ich habe (Geld) und das ich mithilfe von Aktien, ETFs, Kryptowährungen oder Immobilien vermehren möchte.
Man könnte meinen, Geben und Nehmen wären hier nicht nur Regularien, sondern auch ein Freifahrtschein (die Macht des Geldes). Ist dies Ganze noch ein fairer Handel oder grenzen diese Geldgeschäfte schon an Ausbeutung? Unterliegen der Kauf und Verkauf einer Doppelmoral?
Wie das?
Nehmen wir uns die Aktie vor. Das Investment in Form von Geld geht an die Aktiengesellschaft, im Gegenzug erwirbt man Anteile am Unternehmen und ein Stimmrecht bei der Aktionärsversammlung (außer man entscheidet sich für Vorzugsaktien). Die Gewichtung kann, je nach Anteil, relativ groß sein und ich kann die Ausrichtung des Unternehmens steuern.
Auf der anderen Seite möchte das Unternehmen so aktionärsfreundlich sein wie möglich, eine Möglichkeit das Interesse von Aktionären oder noch besser Fondsmanagern zu schüren.
Ziel dieser Unternehmen sind Gewinn und Gewinnmaximierung. Dagegen ist nichts einzuwenden.
Was passiert häufig bei einem positiven Jahresabschluss? Richtig, es werden Leute entlassen, damit der nächste Abschluss noch besser wird.

Wo bleibt jetzt die Doppelmoral?

Will man dies? Oder ist es überhaupt möglich, das eine (Geld) ohne das andere (z.B. Entlassungen) einzukaufen?
Für mich bedeutet es, Geld zu investieren, um damit mein Lebensziel zu realisieren, und gleichzeitig die Gefahr in Kauf zu nehmen, dass durch mein Invest Mitarbeiter entlassen werden. Zugegeben, mein Invest ist nicht so riesig, dass es das Zünglein an der Waage wäre, aber Kleinvieh macht auch Mist.
Ich werde dieses Risiko eingehen (müssen).
Ob es eine Doppelmoral ist, muss jeder für sich selber entscheiden. Dann müsste man auch den Supermarkt, die Kleidung und noch vieles mehr überdenken, denn Profit wird überall auf den Rücken der Mitarbeiter erwirtschaftet.

Nachhaltig und Grün

Nachhaltig und Grün, das geht auch beim Investieren und Konsumieren. Auch hier gilt, wie bei allen Investments, dass man sich im Vorfeld gründlich informieren muss, denn Grün wird gerne als Potemkin’sches Dörfer benutzt, bedeutet, die Fassade ist grün und dahinter heiße Luft. Wir als Familie beziehen schon seit (auf- oder abgerundet) 20 Jahren Naturstrom. Natürlich ist der Strom nicht zu 100% grün, denn Strom wird als “Mischwesen” in das System gespeist.
Die Gesellschaft wird damit leben müssen, dass nicht alles schwarz und nicht alles weiß bzw. grün ist. Wer heute ein Vorzeige-Unternehmen unterstützt, kann, durch was auch immer, in der Zukunft in einen Zwiespalt geraten, wenn die Ausrichtung dieses Unternehmens wechselt.

Was gar nicht geht

Eins wird es bei mir nicht geben. Lebensziel hin, Lebensziel her. Ein Invest in Unternehmen, die Waffen und anderes Kriegsgerät herstellen. Sicherlich ist damit Reibach zu machen, besonders in dieser Zeit. Aber hier ist die rote Linie, eine Grenze, die ich nicht überschreiten werde. Geld ist Geld, aber nie so wichtig wie ein Leben.

Ellbogen und die Mentalität des Drängelns

Das Dorf ist weggefallen, die Familie auch, was bleibt, ist der Single-Mensch in einer Welt des vorgespiegelten Wohlstandes. Social-Media mit seinen “ich bin reich”-Marionetten züchten den Konsumsüchtigen heran. Einen Menschen, der alles haben muss, um sein Sein darzustellen, koste es, was es wolle.
Waren die Auktionen zu Beginn der 2000er Jahre spannend, so wird heute immer mehr der Ellbogen gefördert, um das zu bekommen, an das man vorher gar nicht gedacht hatte. Im Job wird gemobbt und Networking betrieben. Das, was in den Zeiten des Kalten Krieges als Seilschaften verpönt war, wird in der digitalen Welt als Götze auf den Altar des Erfolges gehoben. Ohne deine Ellbogen und die Ellbogen der Masse bist du ein Niemand, ein Ausschuss der neuen Zeit. Das klingt hart, ist aber ein Teil der Wirklichkeit. Überbelastung und Burn-out sind die Folge, gegengesteuert mit Beginn dem Buzzword Detox, was wieder suggeriert, ich bin immer noch hipp und bald wieder auf der Spur des Konsums und des Networkings. Nachlassen ist fast der Tod, vielleicht ist Detox eine schleichende Variante davon.

Gibt es diesmal ein Fazit?

Nein. Jeder muss selber entscheiden (so auch ich), wie er mit der Welt und seinen Gegebenheiten umgeht. Bleibt er singulär und ellbogen-behaftet oder ist der Plural im Leben wichtiger.
Entscheidet selber und werdet glücklich.

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VonRohan de Rijk

#81 Seelenhygiene – Brainwashing aber anders

Lesezeit: 3 Minuten

Es scheint eine Reihe zu werden, alles ein wenig psychologisch. Letzte Woche der ungehemmte Strom der Kreativität und heute die Seelenhygiene: Wie passt das zusammen?

Welchen Rucksack habe ich auf?

Um es vorwegzunehmen: Seelenhygiene und Kreativität, die ins Kontor knallt, sind zwei paar verschiedene Schuhe.
Nehmen wir es einmal auseinander und fangen mit dem Pferd von hinten an.

Kreativität und das Kontor

Ich wiederhole mich oder anders, ich muss mich wiederholen. Der unablässige Strom der Kreativität, der nicht nur mich, sondern auch eine wahrscheinlich schier unübersichtliche Masse an Menschen überschwemmt, ist Segen und Fluch zugleich. Hier gilt es abzuwägen, was kann ich machen, was kann ich brauchen und wann setze ich es um. Nicht jede Idee ist reif, umgesetzt zu werden oder, im schlimmsten Fall, weiter verfolgt zu werden. Hier kam der Faktor Zeit ins Spiel und so bleibt es auch. Aber was ist mit …

… Brainwashing gemeint?

Beginnen wir mit einem laienhaften Ausflug in die Synapsenlandschaft. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Je älter der Homo sapiens wird, umso mehr Gewohnheiten haben sich angesammelt und das Leben scheint nur noch auf vorbestimmten Wegen stattzufinden. So weit so ungut. Gewohnheiten geben Halt, Gewohnheiten machen Sinn. Es wäre unsinnig Sachen wie “wann mache ich essen” jeden Tag neu zu überdenken. Gewohnheiten schaffen also Platz im Hirn.

Gift in der Synapsenlandschaft

Jetzt kommen wir dahin, wo der Pudel seinen Kern hat. Gewohnheiten, die sich eingebürgert haben, sind nicht immer gut, können einen sogar die Seele vergiften. Dieses Gift werden Künstler vielleicht stärker zu spüren bekommen, als andere Menschen. Das Tuch des Künstlers ist meist feiner gewebt, dass muss so sein. Der Künstler, und hier spreche ich in erster Linie von mir (ich war noch nicht im Körper eines anderen Künstlers), ist feinstofflich unterwegs.
Was heißt das?
Der Künstler (also ich) nimmt Schwingungen und Zustände viel feiner, viel stärker war. So kann es sein und so ist es bei mir, dass Menschen nerven, die zum Beispiel die Supermarktgänge mit ihren Wagen verstopfen. Keine große Sache, für mich aber ein Grund, mich aufzuregen und diese Menschen dafür zu verfluchen. Wohlgemerkt: Für die Tat (den Stau im Gang) nicht den Menschen, der hinter der Tat steckt im Allgemeinen.

Keine große Sache, so wird allgemein angenommen

Ist doch gar nicht so schlimm, würden viele sagen, aber die Synapsenlandschaft wird sich mit der Wiederholung verändern. Die Wiederholung wird zur Gewohnheit und man ist immer und immer wieder genervt. Dies kann so weit gehen, dass man zu einem Orakel wird und beim Betreten eben dieses oder eines anderen Supermarktes schon weiß, dass diese Spezies Mensch auf einen lauert, um einem mit dem beräderten Drahtverhau auf die Palme zu bringen. So wird aus Ärger Gewohnheit und aus Gewohnheit Gift für die Seele.

Kopiertes Verhalten

Wenn das feuchte Brötchen unter der Schädeldecke erst einmal Lunte gerochen hat, kann man das Verhalten im Supermarkt wunderbar auf den Straßenverkehr, auf das Kaufhaus, den Freizeitpark und den Rest des Lebens ausweiten. Dem Teufel auf der Schulter wird es freuen und das Engelchen auf der anderen Seite wird Gift und Galle kotzen.

Was tun, sprach Zeus

Diese Art von Denken frisst Energie und hält bei manchen Verhalten von diesen Übeltätern noch Stunden an. Natürlich sind sie sich keiner Schuld bewusst und der Ärger kocht im eigenen Blut. Nicht gut für einen und verschwendete Lebensenergie. Wie gesagt, ich spreche hier aus eigener Erfahrung.
Sich diesem bewusst zu werden, ist erste Schritt im Tun.
Was folgen sollte, ja was folgen muss, man muss sich in der Situation bewusstwerden, dass das Gift langsam wieder am Pumpen ist. Was verschafft Abhilfe? Schulterzucken und weitergehen ist die Königsklasse. Ich habe damit angefangen (bleiben wir beim Beispiel Supermarkt), die Einkaufswagen, die mich stören, mit meinem Einkaufswagen wegzukicken. Funktioniert wunderbar und mit der Zeit wird man ruhiger. Warum? Weil der Weg der Synapsen ein anderer geworden ist. Sie haben die Agrobahn verlassen und sind jetzt auf einer friedlicheren Fährte.

Geschafft ist der falsche Gedanke

Wer jetzt denkt, er hätte es geschafft, der irrt. Die alten Wege brauchen lange, sehr lange, bis sie überwuchert werden, und ein wenig Unaufmerksamkeit zerstört die Überwucherung fast augenblicklich. Sich der Gefahr bewusst sein, ist der beste Schritt zur Eliminierung. Also üben, üben, üben und wenn man meint, man hat es geschafft: üben, üben, üben.

Die Form des Brainwashing

Es lebt sich leichter, wenn man nicht immer den Agro schiebt. Deshalb lohnt es sich zu üben und sich das Hirn von schlechten Gedanken freizuwaschen. Das Schöne daran, man hat schöne Gedanken. Das Schöne daran, man hat kreative Gedanken. Das Schöne daran, mit diesen Gedanken wird man im Leben weiterkommen.

Das Fazit zum Schluss

Vergiftete Gedanken schaden einem selber. Man wird in den wenigsten Fällen die Leute ändern können, schon gar nicht, wenn es Fremde sind.
Also achtet auf eure Synapsenbahnen, shampooniert euch das Hirn frei von giftigen Gedanken und werdet kreativ, damit hat das feuchte Brötchen wahrlich genug zu tun.

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VonRohan de Rijk

#80 Kreativität ballert ins Kontor

Lesezeit: 3 Minuten

Die Überschrift reizt. Ich merke, wie es euch in den Fingern juckt. Was wird wo reingeballert und tut das vielleicht sogar ordentlich weh?

Vielleicht kennt ihr es oder ihr kennt einen, der das kennt

Seid ihr selber gesegnet oder verflucht mit einer Kreativität, die nie Pause macht, geschwätzig ist wie ein altes Waschweib und euch die Bandbreite für andere Aufgaben klaut?

Die Suche

Künstler sein heißt auch immer ein Suchender zu sein. Der Text, die Grafik oder die Idee ist gut, saugut, aber es geht noch besser. Viel besser. Und das ist der Motor, das, was einen Antreibt. Sich an dem zu erfreuen, was man gerade geschaffen hat, mit dem Wissen, dass es noch geiler wird. So richtig viel geiler. Das ist Sprit, der sich durch die Adern frisst und ein nicht versiegendes Feuer entfacht.

Die Suche – Spitz pass auf

Aber ehrlich, damit muss man klarkommen. Die Suche nach dem was genial ist, kann auch damit enden (oder eben auch nicht), dass man nie zufrieden ist oder sein wird. Das dritte Mal den Text gelesen und immer und immer und immer gibt es noch was zu verbessern. Das ist aber nicht das, was ich meine. Der Drahtseilakt zwischen “da geht noch was” und “kann so bleiben” ist mehr als knifflig. Es bedarf Übung sein Werk, hier und jetzt als fertig anzusehen. Mut, den Schlussstrich zu ziehen und “Ende” unter das Buch zu schreiben.

Also, was ballert ins Kontor

Mir geht es so, wie wahrscheinlich sehr vielen, oder allen Künstlern, das feuchte Brötchen im Oberstübchen ballert Ideen raus, dass man manchmal gar nicht weiß, wie und ob man alle diese Ideen je umsetzen kann. Es gebiert bei mir (fast) immer und überall Ideen. Ich habe mittlerweile lernen müssen zu selektieren. Die Guten ins Töpfchen und naja ihr wisst es sicherlich, der Rest wird über Bord geschmissen.

So schreibe ich mir selber

Die Ideen, die übrig bleiben, haben ihre Berechtigung und so schreibe ich mir selber eine Mail. Ist es eine Idee für die Story, die ich gerade schreibe, kein Problem, wird relativ schnell in die Geschichte einmassiert. Ist die Idee etwas für die lange Bank, also für später, wird sie so genau wie möglich skizziert (die Zeit macht die Idee löchrig, deshalb so genau wie möglich) und für später aufbewahrt.

Der eiserne Besen

Die Zeit ist schon verwunderlich. Man verflucht sie, denn man wird älter oder sie beendet irgendwann den Urlaub. Die Zeit heilt wunden, also Dr. Zeit. Die Zeit ist aber auch ein Maßstab für Ideen. Hat diese eine, jene oder andere die Zeit überstanden und ist sie immer noch attraktiv, dann könnte es eine jener Ideen sein, bei denen sich eine Umsetzung lohnt.
Genauso und nicht anders mache ich es mit den (meisten) kreativen Geistesblitzen. Aufschreiben, digital liegen lassen, zu Gemüte führen und noch mal bewerten, nur so kann man Ordnung in sein Künstler-Kontor bekommen.

Segen oder Fluch, eine Frage des Standpunktes

Könnt ihr (wie ich) die Lawine der Kreativität kanalisieren und einiges davon umsetzen? Dann ist es ein Segen, den man hegen und pflegen sollte. Nichtsdestotrotz ist der Grat zum Fluch schmal, zu der dunklen Seite der Kreativität. Belastet es euch sehr (bei mir vielleicht manchmal, Hand aufs Herz sehr wenig), erdrückt es euch, dann müssen andere Werkzeuge her. Den eins müssen wir uns als Mensch immer vor Augen halten, auch wenn es schwerfällt: Das feuchte Brötchen in der Hirnschale brabbelt immer, sei es nun Kreativität, die unser Leben verbessert und uns aus dem Hamsterrad der Arbeit und der Wiederkehr herausholt, oder sei es die Angst, der Neid oder der Zorn, der das Leben mürbe macht. Irgendetwas ballert immer ins Kontor. Aber wir haben die Wahl: Kreuzung, Crossroad oder wir ihr es auch immer nennen wollt.
Wir können die Kreativität annehmen und schauen, was uns davon gefällt. Wir können die Angst, den Neid und den Zorn annehmen und zusehen, wie wir zu unausstehlichen Menschen werden. Aber wir haben die Wahl, das eine oder andere zu machen oder eben sein zu lassen.
Auf der Welt ist nicht alles weiß (Kreativität) oder schwarz (Angst und ihr kennt den Rest).

Und du bist es doch

Zum Schluss und am Abschluss kurz ein Satz, den ich so oft höre: “Ich bin nicht kreativ.” Es gibt eine andere Seite der Kreativität, jenseits der Worte (also die geschriebenen), Bilder und Pinselstriche. Auch Buchhaltung kann kreativ sein. Vielleicht doch kein so gutes Beispiel. Streithähne dazu zu bringen, sich wieder zu vertragen, ist eine Kunst.
Und Kunst kommt von Können, Kreativität und “kann ich”.
Also öffnet die Türen vom Kontor und seid gespannt.

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VonRohan de Rijk

#76 Mythos Kreativität

Lesezeit: 3 Minuten

Die Kreativität ist ein Geschenk des Himmels, nur wenige kommen in den Genuss dieses überbordenden Andersseins, das einen wie einen hellen Stern über die Menschheit erheben lässt.

So oder so ähnlich ist Kreativität

Moment, halt Stopp: Ist dies wirklich so oder wird hier etwas stilisiert, was vielleicht in den Genen eines jeden vorhanden ist?
Das klingt genauso ketzerisch wie der oben genannte Satz.
Aber was verbirgt sich hinter der Kreativität?
Ist es vielleicht nur ein wenig Bauernschläue, um durchs Leben zu kommen oder muss es die bahnbrechende Erfindung sein oder ein Kunstwerk, das auf gut Deutsch “mind blowing” ist?
Moment, halt Stopp: Das sind verschiedene Bereiche des Lebens. Gibt es verschiedene Kreativitäten oder ist ihr Einsatzbereich allumfassend?

Ist alles kreativ?

Ist Schuhe zubinden kreativ? Eher nicht. Ist die Erfindung der Schleife, damit ich mir die Schuhe zubinden kann, kreativ?
Auf alle Fälle.
Kreativität kann auch die Lösung eines Problems sein. Habe ich diese gefunden und ist diese außerordentlich gut, kann ich diese auch vermarkten.
Aber im Allgemeinen wird Kreativität mit Kunst in Verbindung gebracht.

Welten erschaffen und ungestraft morden

Die Kreativität ist das Werkzeug des Schriftstellers. Ohne sie würde man es nicht schaffen, etwas zu erschaffen, das in Wirklichkeit (oder in der Teilwirklichkeit) gar nicht gibt.
Das ist leicht. Das kann ich auch. Darüber solltest du mal ein Buch schreiben.
Stammtischsätze mit wenig Substanz. Denn wenn wir von Kreativität reden, müssen wir auch bedenken, dass es vielleicht nur ein klitzekleiner Einfall war, der Kern einer Geschichte, die Lösung eines Problems. Aber was kommt dann?

Kreativität wird zur Arbeit

Den Funken zu fangen, ihn zu bearbeiten und daraus ein großes Ganzes zu schaffen ist das, was dem großen K folgt und hier scheitern sehr viele (vielleicht sogar fast alle). Die tolle Idee zu einem Buch, eine Innovation in irgendetwas, ist das eine, das durchhalten, das leere Blatt des Schriftstellers, mit dem Selbstzweifel, dass die Idee vielleicht doch nur ein verglühender Funke war, zu leben, den Punkt zu überwinden, mit seinen Ängsten zu brechen, das macht den wahren Kreativen aus.

Sieht man es?

Nein, natürlich sieht man nicht den Schweiß, die vergossenen Tränen oder die eine oder andere Flasche Wein, durch die man versucht, dem “Was man macht” weiter Leben einzuhauchen. Die Welt sieht nur das Ende, das, was man in den Händen hält, seinen Hintern drauf bettet oder das man sich genüsslich hinter die Kiemen schiebt. Man sieht den Erfolg und ist (zumindest in Deutschland) neidisch (ketzerisch, denn es gibt auch den Gönnen-Typus) oder vielleicht erlebt man das Scheitern und freut sich insgeheim, weil der Typ oder die Typin sowieso ein aufgeblasenes Arschloch war (jedenfalls aus der Sicht des Ergötzenden).

Angeboren oder nicht bekommen?

Zurück zum Mythos. Gibt es angeborene Kreativität? Wie will man das beweisen, außer mit unsinnigen aber markigen Behauptungen? Es gibt sicherlich kein Gen für Kreativität.
Aber vielleicht wird auch die Kreativität von den Erziehungsberechtigten im Keim erstickt. Kreative sind Tagträumer, aus denen wird nie was, wie sollen die der Gesellschaft nütze sein, die liegen dem Staat nur auf der Tasche rum.
Glaubenssätze einer staatstreuen Mannschaft, die sich gern vor den Karren der Wirtschaft spannen lässt. Einer Mannschaft, denen, alles was über den Tellerrand hinausgeht, suspekt, vielleicht sogar gemeingefährlich, erscheint. Wer sind die Leidtragenden?
Richtig: Die Kinder.

Der Kreativmegamensch

Das größte Potenzial an Kreativität haben die Kinder. Wer den kleinen Menschen einmal zuhört, wie sie die Welt sehen, was sie gerne einmal machen möchten oder sei es auch nur die Schnelligkeit, mit denen sie die Dummheit der “Großen” verzeihen, der weiß, wo das Potenzial liegt. Es ist da, wird aber jeden Tag kleiner und jeden Tag wird es von der Gesellschaft immer weiter niedergeknüppelt, bis der kleine Kreative groß und ein Rädchen in der Erschaffung des Bruttosozialproduktes ist.

Mythos: No way

Kreativität ist kein Mythos. Es ist in uns drinnen. Bei manchen ganz tief verschüttet (worden) oder so nah an der Oberfläche, das ein Hauch genügt, um den Sturm der Gedanken zu entfesseln.
Es lohnt sich zu graben oder einfach nur den Hauch des Windes seine Arbeit machen zu lassen und das, was wir einmal waren, nämlich Kinder mit einer unbegrenzten Fantasie, wieder aufleben zu lassen.

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VonRohan de Rijk

#75 Was ich schreibe siehst du anders

Lesezeit: 3 Minuten

Der Film hat es einfach, (zumindest) was die Bilder im Kopf angehen. Dort wird alles im Voraus gecastet, in Szene gesetzt und so arrangiert (Musik, Farbe etc.), dass das Kopfkino nicht stattfinden kann. Alles wird fertig erlebbar serviert und ist immer und immer wieder wiederholbar in immer und immer wieder dergleichen Art und Weise.
Früher war alles besser. Was für ein abgedroschener durch eine rosa Brille betrachteter Blödsinn. Aber in der Zeit, wo es nur Bücher und Radios gab, da hatten die Menschen mehr damit zu tun, das Gelesene oder das Gehörte in Bilder zu verwandeln.

Schreiben, der Booster für das Kopfkino

Wie würde eine Figur aussehen, die der Schriftsteller nicht beschreiben würde?
Oder anders gesagt. Wie oft ist es mir passiert, dass ich mir eine Figur vorgestellt habe und dann kam der Schriftsteller mit Details um die Ecke. So war die Protagonistin schwarzhaarig und ich hatte sie mir blond vorgestellt, weil es besser zur Beschreibung des Autors passte. Nein, ich spreche hier nicht das Klischee “Blond” an. Nach der Offenbarung des Schriftstellers hatte ich Probleme, mir die Protagonistin auf einmal mit der anderen Haarfarbe vorzustellen und die Geschichte geriet für einige Zeit in Schieflage.

Also was tun?

Aus der Sicht des Schriftstellers denke ich, dass es gar nichts zu tun gibt. Eine Personenbeschreibung in den ersten Kapiteln kann die Geschichte kaputtmachen und der Leser löscht aus Langeweile das E-Book oder pfeffert das papiergebundene Pendant in die Ecke.
Auch ein: “Sie warf ihr braunes, langes Haar über ihre schmalen Schultern” hört sich hölzern und konstruiert an. So muss die Person an sich mit ihrem Charakter und insbesondere mit ihrem Aussehen behutsam in die Geschichte eingeführt werden.
Sonst wird das nix.

Aber ist alles so schlecht?

Macht es nicht den Reiz eines Buches aus, dass man sich die Personen, die Landschaft und einfach alles immer ein wenig anders vorstellt, als es der Schriftsteller tut?
Ich als Schriftsteller suche mir Bilder von einem fiktiven Menschen heraus, der dem Charakter und dem Aussehen des Protagonisten oder der Protagonistin entspricht. Dies hat eher einen praktischen Grund: Wenn ich das Aussehen beschreiben muss, sei es nun am Anfang oder im Verlauf der Geschichte, muss ich sehen, dass ich immer die gleiche Haarlänge (es sei denn, ich schicke ihn oder sie zum Frisör) oder andere körperliche Merkmale beschreibe. Also eher Mittel zum Zweck. Natürlich kann ich mit den Beschreibungen der Protagonisten und des weiblichen Pendants die Fantasie des Lesers in eine Richtung lenken. Aber ich wette, wenn die Leser das Bild, dass ich beim Schreiben benutzt habe, sehen würden, würde es mit dem, was sich im Kopf abgespielt hat, wenig bis gar nichts zu tun haben.
Und das finde ich großartig.

Unbegrenzte Versionen

So entstehen hunderte, tausende Kopfkino-Versionen meines Buches. Jede ist auf ihre Art gleich, aber auf eine andere, sehr individuelle Art auch anders.
Ich werde nie eine dieser Versionen erfahren können, aber dass es sie gibt, gibt einen ein Hochgefühl. Der Kick des Schriftstellers. Im Film kann ich die unglaublichsten Effekte erzielen. Aber mit wenigen Worten kann ich diese auch mit dem sehr persönlichen Touch erzeugen, indem ich auf das setze, was sich sowieso bei den Lesern abspielt: Die Fantasie, das mächtigste Werkzeug dieser Welt. Ohne Fantasie wären die wunderbaren Dinge auf dieser Welt nie erfunden worden. Und warum wurden sie erschaffen? Weil es Menschen gab, die die Fantasie ausnutzen, das scheinbar Unmögliche möglich zu machen.

Die alte Kunst des Geschichten Erzählens

Der Mensch war schon immer von Geschichten fasziniert, ob am Lagerfeuer oder als Hörbuch aus dem Radio oder den nachfolgenden Abspielgeräten. Die Überlieferung der Geschichte der Menschheit beruht auf Erzählungen (ja, auch die Bibel) und da wundert es nicht, dass die Geschichten mit der Zeit immer wieder abgewandelt wurden, voluminöser, schrecklicher, herzerweichender wurden. Der Mensch würzt Geschichten gerne mit dem, was er sich vorstellt, oder lenkt diese auch mal dahin, wo er sie gerne hätte (hier haben wir die ersten Fake-News).
Am Ende ist jede Geschichte, ob erzählt, gehört oder gelesen, immer eine persönliche Version von etwas, wo der Erzähler, der Sprecher oder der Schriftsteller dem Gegenüber ein Grundgerüst liefert.

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