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VonRohan de Rijk

Podcast E#21 Die Betrachtung – Aufgerollt wird von hinten – Rohan´s 13 Minutes (Transkription)

Lesezeit: 5 Minuten

Letzte Woche hatte ich euch das Experiment angekündigt und heute werde ich damit beginnen. Fangen wir an mit der Bestandsaufnahme, da ist es natürlich wichtig: Wo stehe ich, wo möchte ich hin? Im Endeffekt, um das alte Bild des Navigationsgerätes zu aktivieren. Wenn ich irgendwo hinmöchte, muss ich natürlich wissen, wo stehe ich. Ich möchte natürlich auch irgendwo das Ziel wissen und nur so kann ich mich dann auch auf dem Weg machen. Dementsprechend: Heute die Bestandsaufnahme. Es wird so sein, dass ich nicht mit dem Startpunkt anfange, sondern mit dem Ziel. Hört sich vielleicht am Anfang komisch an, ist es aber im Endeffekt nicht, das Ziel ist es, zu schreiben und gar keinen Brot- und Butter-Job mehr zu haben und ja, das ist natürlich ein relativ vages Ziel.
Wenn man das ein bisschen konkretisiert, kommen zwei Sachen raus, was heißt das also.

Auf der Kreuzung des Lebens

Variante Nummer 1 ist, ich möchte vom Schreiben leben.
Variante 2 wäre, ich lebe, um zu schreiben.
Und genau das sind die zwei Ziele, die ist jetzt herauszufinden gilt. Welche von diesen beiden Varianten? Der Klassiker schlechthin: Ich möchte vom Schreiben leben, ich möchte damit Geld verdienen und ich möchte davon leben, soweit so gut es geht.
Es gibt natürlich einige Stellschrauben, die man dafür beachten muss. Die erste wäre natürlich den Brot- und Butter-Job kündigen, wenn ich davon leben möchte, dann muss ich auch ein bisschen mehr Zeit investieren, um jedes Jahr ein Buch raus zu bringen und dementsprechend muss auch erstmal der Job gekündigt werden.
Das habe ich mit meiner Frau diskutiert, weil das natürlich eine von den zwei Varianten ist. Meine Frau würde das mitmachen und dementsprechend mehr oder weniger erstmal der Alleinunterhalter für die Familie sein. Okay, Unterhalt vielleicht oder Unterhalter ist vielleicht ein bisschen doppeldeutig.
Natürlich würde sie halt für den Unterhalt von dem Ganzen, was man zum Leben braucht, aufkommen müssen. Das wäre dann Ausgangssituation für Variante 1. Variante 2 würde sich so ausgestalten, ich lebe und schreibe, das würde bedeuten, ich habe so viel Geld, dass ich den Erfolg oder den monetären Gewinn nicht mehr ans Schreiben koppeln muss und dementsprechend ein wenig mehr oder sogar viel mehr Freiheit habe.

Welche Richtung darf es sein?

Das sind die zwei Varianten. Da das Experiment schon ein bisschen läuft und was ich erzähle eigentlich schon stattgefunden hat, sind natürlich diese Überlegung für Variante 1 und Variante 2 auch schon abgeschlossen. Variante 1 hat natürlich eklatante Minuspunkte, die man natürlich irgendwo mit einrechnen muss. Ich würde diese Variante als die „All-In“-Variante bezeichnen, man setzt alles auf eine Karte und hofft natürlich, dass im Endeffekt und zu guter Letzt alles gut wird, und natürlich man Erfolg mit dem Buch hat, und man sich unter den Geldregen stellen kann.
Aber im Endeffekt ist es natürlich auch ein psychischer Druck dahinter, denn das muss passieren, sonst gehe ich hin und bin ein Egoist, lebe mein Leben, den Unterhalt habe ich an meine Frau abgegeben, ich schreibe und was passiert, wenn auf einmal die Ideen ausgehen?
Dass erhöht den psychischen Druck.
Was passiert, wenn ich abgelehnt werde?
Das erhöht den psychischen Druck.
Das heißt, also ich muss dann über Self-Publishing vielleicht radikal versuchen, das Ganze zu promoten und ich halte es für sehr fragwürdig, dass das auch in dem Sinne passieren wird, wenn man das unter diesem psychischen Druck versucht zu generieren.
Weil den Erfolg, den ich bräuchte, um wirklich vom Schreiben leben zu können, und sei es jetzt auch wirklich nur über Hartz-IV-Niveau, wird definitiv von dem Erfolg gesteuert und das kann man nicht steuern, weil sonst hätten wir alle Erfolg. Jeder wünscht sich gerne Erfolg, in welchem Metier auch immer. Er möchte, dass es der Beste, der Bestbezahlteste ist, und wenn man Erfolg in dieser Art und Weise steuern könnte, wären wir wahrscheinlich alle Milliardäre, würden eine eigene Insel besitzen oder was man sich auch immer erträumen kann.
Nur dies ist im Endeffekt nicht so und wenn man sich mal so anguckt, wie die Buchbranche tickt, bedeutet das im Grunde genommen, dass man jedes Jahr, jedes zweite Jahr ein Buch rausbringt. Dementsprechend muss ich, wenn ich vom Schreiben leben möchte, so viel Geld generieren, dass ich diese zwei Jahre überbrücken kann. Und dann habe ich auch nur diese zwei Jahre überbrückt bis zum nächsten Buch und dann fängt wieder das neue Warten an. Ist dieses neue Buch dann wirklich ein Erfolg? Kann ich das dann immer fortsetzen? Also ich finde, man setzt sich da einen sehr großen psychischen Druck aus. Von meiner Warte aus. Ob das jetzt für andere okay ist oder nicht, das muss man natürlich selber entscheiden, aber für mich ist es ehrlich gesagt ein relativ großer psychischen Druck und deswegen habe ich mich für die Variante 2 entschieden.

Die Würfel sind gefallen

Variante 2 bedeutet, mein Ziel ist es, zu leben und zu schreiben, entkoppelt von irgendwelchen materiellen Einbußen, entkoppelt vom Erfolg, das heißt, also die Freiheit kann ich mir nehmen, einfach mal einen Durchhänger zu haben. Die Freiheit kann ich mir auch nehmen, dass ein Buch nicht so ein großer Erfolg wird, des ich sag mal in Anführungszeichen Negative ist, natürlich muss ich mir erstmal das ganze Geld besorgen, das mich dann halt diese Freiheit leben lässt und das geht natürlich nicht so schnell nicht so schnell vonstatten wie Variante 1.
Wo ich dann sage, ich kündige, nehme meine Kündigungszeit und Ende aus und dann schreibe ich. Nein, das ist ein Projekt, ein Experiment, das auf ja Monate wahrscheinlich auf die nächsten Jahre angelegt ist und es ist es natürlich auch so, dass das Experiment natürlich nach hinten losgehen kann. Also es trifft nicht zu, aber im Endeffekt ist es dann so, dass der psychische Druck, den ich bei Variante 1 hätte und der sich nicht nur auf das Schreiben ausdüngt, das heißt, also kein Erfolg, keine gute Geschichte gleich psychischer Druck. Dieser würde natürlich auch noch auf die Familie gehen, weil Unzufriedenheit ist natürlich auch eine Belastung für die komplette Familie.
Das wäre mit Variante 2 natürlich ausgehebelt.
Man könnte sein Leben erstmal so weiterleben und auch im Zuge der nächsten Folgen werde ich dann sagen, wie man an das Geld kommt, weil nur mit dem Sparen wird das halt auch nicht funktionieren. Und da bedarf es dann halt auch schon bisschen mehr. Vielleicht liegt es auch daran, ich glaube zwar nicht unbedingt an die Sternzeichen, aber ich bin Stier und das bedeutet, ich bin dann halt auch eher so ein wenig Sicherheit liebend und ich möchte natürlich, und da kommen wir dann nächste Folge zu, auch von meinem Startpunkt nicht unbedingt abweichen, weil um an diesem Startpunkt zu kommen, habe ich natürlich in meinem Leben auch schon sehr viele Sachen angespart, auch Geld investiert und das jetzt einfach aufzugeben, für eine etwas unsichere Zukunft, obwohl schreiben meine Leidenschaft, ist das möchte ich natürlich auch nicht.
Das ist auch ein Grund für Variante Nummer 2 und, wenn wir schon die über Geld reden, dann ist es auch so, dass man halt Butter bei die Fische machen muss, was brauche ich an Geld, um zu leben und überleben zu können und das Ganze nicht nur ein, zwei Jahre zu machen, sondern zu sagen so ab hier, das ist jetzt der Startpunkt für den Rest meines Lebens. Gut, dann muss man jetzt im Grunde genommen den Taschenrechner rausziehen und das ganze mal ein wenig mit Zahlen füllen.

In Medias res

Fangen wir an, ich bin 52 Jahre alt und im Moment müsste ich bis 67 arbeiten, das sind roundabout, 15 Jahre, in denen ich noch Geld verdienen würde und ich habe ein relativ guten Job in der Verwaltung von Nordrhein-Westfalen und man hat sich natürlich so einiges aufgebaut und wie ich schon sagte, als Stier möchte man nicht unbedingt davon runter gehen, obwohl natürlich, wenn das Experiment greifen sollte und wenn ich jetzt gleich die Zahlen nennen werde, wenn ich da an diese Zahlen dran kratze, ist es natürlich so, dass man im Leben einige Sachen noch einstreichen kann. Aber jetzt den Status Quo von jetzt bis zur Rente zu behalten mit allem Drum und Dran, wären wir bei 720.000 €, so wie ich mir das heute ausgerechnet habe. Wenn wir die Inflation vielleicht noch rein rechnen, komme ich roundabout auf 750.000 €, ohne jetzt dann wirklich Inflationen Spitz auf Knopf dazu zu rechnen, sondern einfach nur mit Zahlen rund zu machen. Da wären wir bei einer dreiviertel Million Euro, um zu sagen, von jetzt an schmeiße ich den Job hin und bis zur Rente schreibe ich. Das ist im Endeffekt das Ziel des Experiments und in den nächsten Folgen werde ich euch einige Modelle vorstellen, oder auch Möglichkeiten vorstellen, die ich auch schon begehe bzw. überlege, ob ich sie mache, um dann halt auch das Geld zu generieren.

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VonRohan de Rijk

Ideenspeicher oder das „flüchtige“ Konservieren

Lesezeit: 3 Minuten

Ideen – die flüchtigen Gesellen

Wer glaubt, oder versucht, einen Gedanken, am besten in Form einer umwerfenden Textpassage in seinem Hirn zu speichern, um diesen, sollte es in der Nacht geschehen sein, bei einer guten Tasse Morgenkaffee aufzuschreiben, wird eines Besseren belehrt.
Wer sich überhaupt erinnert oder sogar Fragmente durch die Nacht retten kann, ist gut. Aber meistens werden wir von einer Welle aus Alltäglichkeiten, die in den kommenden Stunden zu erledigen sind, überrollt. Vielleicht hat sich gerade diese Nacht ein Text ins Nirwana verabschiedet, der uns den Weg zu den Weihen des Profischriftstellers geebnet hätte.
Was tun?

Das Testszenario

Die Ideen (oder Gedanken) stellen sich bei mir meistens kurz vor dem Einschlafen ein. Also dann, wenn der Körper seine Systeme auf Erholung schaltet und jede Aktion in Form von Bewegung einer Mount Everest-Mission gleicht.
Wie schafft man es trotzdem, sich selber ein Schnippchen zu schlagen und die wertvollen Ideen oder Gedanken zu retten?
Drei Methoden habe ich ausprobiert. Diese sind bei mir in die engere Auswahl gekommen, da ich Steintafeln oder eine Knotenschrift für nicht praktikabel halte.
Hier die Kandidaten:
Zettel und Stift (genannt der Notizblock)
ein Diktiergerät (mit Flashspeicher)
mein Smartphone (auch als Diktiergerät)

Oldschool – der Notizblock

Der Notizblock ist vergleichsweise die günstigste Lösung. Zur Erleuchtung kommt im Falle des Notizblocks die Beleuchtung (sofern es sich um eine nächtliche Idee handelt). Die wenigsten Leute schaffen es, bei völliger Dunkelheit zur schreiben und dies am nächsten Morgen zu entziffern. Als nächstes folgt die Anpassung der Augen an das Licht. Hier geht wertvolle Zeit verloren, in der sich die Idee anfängt zu verflüchtigen. Dies ist besonders schwierig, wenn man den genauen Wortlaut einer Textpassage im Kopf hat. Hat man diese Spanne überbrückt, sind eigentlich keine Hindernisse mehr vorhanden, die den kreativen Fluss aufhalten können. Es sei denn, der Partner fühlt sich, vielleicht zum wiederholten Male, durch die unfreiwillige Erhellung des Schlafzimmers gestört.

Die Brückentechnologie? – das Diktiergerät

Das Diktiergerät, welches früher mit (Mini)-Kassetten ausgestattet war, ist heute nur noch ein Schokoriegel großes, mit Technik vollgestopftes Gerät. Mit einer minimalen Aufweckzeit (für das Gerät) und einer Eintasten-Aufnahme-Funktion kann das Gerät im Dunkeln bedient und, wenn auch etwas nuschelig, der Text hinein gesprochen werden. Am nächsten Tag bleibt nur noch die Transkription des Textes in das Textverarbeitungsprogramm.
Das Diktiergerät schaltet sich nach einer bestimmten Zeit aus, so dass man selig in den Schlaf gleiten kann. Sollte man, wie unter Oldschool beschrieben, das Schlafzimmer mit einem Partner teilen, so kann man immer noch unter der Bettdecke seiner Kreativität freien Lauf lassen. Dies funktioniert wunderbar, es sei denn, man hat das Organ eines Marktschreiers.

Newschool – das Smartphone

Mit den heutigen Smartphones ist es möglich, wie bei einem Diktiergerät, Sprachnachrichten aufzunehmen und diese abzuspeichern. Auch das Smartphone kann man im Dunkeln bedienen. Allerdings muss das Gerät erst entsperrt werden. Ist der Fingerabdruck vielleicht noch in der Dunkelheit zu schaffen, sieht es mit der Gesichtserkennung schon anders aus. Hier meine ich nicht, dass ich eine Entsperrung mit dem (verknautschten) Schlafgesicht nicht möglich ist. Durch die Infrarottechnik müsste es auch im Dunkeln möglich sein, das Smartphone zu entsperren. Aber: Das Gesicht und Smartphone müssen so zueinander gehalten werden, dass die Technik funktioniert und dann dauert das Entsperren auch noch ein paar Sekunden. Auch sollte die App zur Sprachaufnahme schon gestartet sein, sonst ist man mehr mit dem Suchen der App und des Aufnahme-Buttons als mit dem Aufsprechen der Gedanken und Ideen beschäftigt. Hier gilt wiederum die Bettdecke als wirkungsvoller Schallstopper.

Das Fazit

Mein eindeutiger Favorit ist das Diktiergerät. Man benötigt genau einen Tastendruck, um das Gerät anzuschalten und die Aufnahme zu starten. So hat man die Gedanken noch fest im Griff und kann sie auf dem Flash-Speicher bannen.
Aber die Gedanken und Ideen kommen nicht nur zur nächtlichen Stunde. So schreibe ich mir auch schon einmal selbst eine E-Mail mit Texten oder benutze Papier, um Ideen nicht zu vergessen. Allerdings muss ich zugeben, dass die Papierideen schnell in elektronischen Text umgewandelt werden müssen, sonst werden sie von Papier und noch mehr Papier erstickt.
Wie man es macht, ist es richtig, denn am Schluss zählt nur, dass man dem Vergessen ein Schnippchen schlägt.

Stay tuned: #RohanDeRijk