Autor-Archiv Rohan de Rijk

VonRohan de Rijk

Lampenfieber

Lesezeit: 2 Minuten

Lampenfieber

Lampenfieber – die typische Krankheit von Musikern und Schauspielern, was stört es mich, denke ich.

Wäre dies kein Blog, sondern ein Video, würde das disharmonische Kreischen einer Diamantnadel auf Vinyl den Raum erfüllen.

Schlagartig poltert ein Gedanke durch mein kreatives Denkbrötchen.
»Der Gig des Schriftstellers nennt sich: Lesung.«

Rollen wir die Zeit ein bisschen vor.
Der Schreck ist weg.
Das Buch hat alle Hürden, die es vor einer Veröffentlichung nehmen muss, gemeistert. Das Glück macht sich als Dauergrinsen im Gesicht breit.

Wieder durchdring ein Geräusch die Stille des Raums.
Das Telefon.
Mein Kontaktmann beim Verlag.
Seine freudig erregte Stimme weckt Bilder in mir, die irgendetwas mit Bestseller-Liste zu tun haben. Bis zu dem Moment, wo mein Gehör das Wort »Lesereise« auf die Synapsen loslässt.
Bleiche koloriert mein Gesicht und die Schweißdrüsen geben dem Telefon eine Haptik von Seife. Ich versuche, professionelle Freude zu versprühen, und warte darauf, dass mir mein Blutdruck den Gar ausmacht.

Rollen wir die Zeit wieder ein Stückchen nach vorne – cool wenn man das kann, nöh.

Der Hinrichtungstermin, ich meine natürlich die Lesung, rückt immer näher. Die Textpassagen sind im Buch markiert (mein Kontaktmann hat mir abgeraten, die Stellen in Groß auszudrucken, anstatt sie aus dem Buch vorzulesen. Hat irgendeinen Marketing-Grund). Also die Sehkraft noch mal gecheckt, nichts wäre blöder, als den Text am Tag des Vollzugs in eine Buchstabensuppe zu verwandeln, nur weil die Eitelkeit keine stärke Dioptrien verträgt.
Marketing habe ich mir anders vorgestellt.

Es ist so weit. Die Kleidung gerichtet. Die Dosen-Dusche wickelt einen in einen olfaktorischen, aluminiumfreien Umhang. Atmung und Puls haben ein Eigenleben entwickelt und sind nur noch schwer zu kontrollieren.
Der Countdown läuft.
Licht, Mikro, Publikum. Mein Bermuda-Dreieck für diesen Abend.
Eine karge Begrüßung, die sich aus Bruchstücken meiner Kinderstube zusammensetzt.
Die ersten Sätze holpern etwas ungeschickt von der Zunge, aber ich merke einen Flow.
Ich werde besser. Die Geschichte beginnt zu fließen und bekommt einen Körper, wie guter alter Rotwein.

Geschafft. Der Applaus brandet wie durch eine Watteschicht. Ich habe es geschafft.

Ich habe etwas gelernt, etwas, das ich mit allen Kreativen dieser Welt teile.
Lampenfieber.
Lampenfieber gehört zum Geschäft. Genießen kann ich es nicht, ich muss es akzeptieren.

Stay tuned: #RohanDeRijk

VonRohan de Rijk

Anfängergeist

Lesezeit: 2 Minuten

„Anfängergeist, was soll das? Ich habe schon mehrere Bücher herausgebracht, einige standen sogar auf der Bestsellerliste im Niemandsland und jetzt soll ich von vorne anfangen?
Der Schweiß, die Arbeit und nicht zu vergessen die unzähligen Flaschen Rotwein (ja, ein Künstler muss dem Klischee entsprechen) zeugen davon, dass ich gelernt habe. Widerspenstige Charaktere habe ich geformt, Menschen zusammengebracht und sogar gemordet und das soll alles auf Null gesetzt werden?“

Dies könnte ein fiktiver Aufruhr aus den Weiten der Bits und Bytes sein.
Aber was ist der Anfängergeist?

Anfängergeist ist nicht ein Novize im Geisterhandwerk.
Anfängergeist ist nicht der erste Brand bei der Schnapsherstellung.

Anfängergeist ist ein Blickwinkel.
Der Profi kennt sein Handwerk, er weiß, wie ein Cliffhanger auszusehen hat. Seine Protagonisten haben differenziert geschliffene Psychen und er weiß, wie man sich in die Bestsellerlisten schreibt.

Sollte man von ihm lernen?
Nur bedingt!

Hat ein Neuling oder derjenige, Achtung jetzt kommt das Hauptthema, der den Anfängergeist besitzt, nicht einen besseren Blick, einen unverbrauchten Stil?
Er ist noch nicht, oder wird es nicht, in ein Schema gepresst.
Never change a winning-Schreibweise – genau das wird langweilig. Den Erfolg immer wieder mit anderen Figuren und Orten am Kochen halten. Der fade Geschmack der Kopie wird diesen Werken anhaften.

Es gibt eine Lösung: Den Anfängergeist. Die Rückbesinnung und den Mut, den Pfad der Lemminge zu verlassen.
Die Fragen eines Neulings, den Blickwinkel eines Beginners, das Herz eines Kindes. Dies alles brauchen wir, um etwas zu erschaffen, das mit dem Alten bricht, die Perspektive der Sicht so verschiebt, dass auch Altes wunderbar neu erscheinen kann.

Hier endet mein erster Artikel.

Wie geht es weiter?
Wir werden die Geburt eines Buches erleben, ja auch die Zeugung. Wer jetzt seiner Fantasie freien Lauf lässt, könnte ein Stück des Anfängergeistes spüren.

Wie werde ich Schriftsteller? Eine berechtigte Frage in einer Zeit, in der die Information den Geist verklebt.

Und was kommt noch?
Diese Frage wird mein alter Freund die Zeit beantworten, er hat mich noch nie enttäuscht, also bleiben wir gespannt.

Und wer mehr über den Anfängergeist erfahren will, dem hilft der Buddhismus und insbesondre Suzuki Shunryū weiter.

Stay tuned: #RohanDeRijk