Jahresarchiv 2017

VonRohan de Rijk

Ideenspeicher oder das „flüchtige“ Konservieren

Lesezeit: 3 Minuten

Ideen – die flüchtigen Gesellen

Wer glaubt, oder versucht, einen Gedanken, am besten in Form einer umwerfenden Textpassage in seinem Hirn zu speichern, um diesen, sollte es in der Nacht geschehen sein, bei einer guten Tasse Morgenkaffee aufzuschreiben, wird eines Besseren belehrt.
Wer sich überhaupt erinnert oder sogar Fragmente durch die Nacht retten kann, ist gut. Aber meistens werden wir von einer Welle aus Alltäglichkeiten, die in den kommenden Stunden zu erledigen sind, überrollt. Vielleicht hat sich gerade diese Nacht ein Text ins Nirwana verabschiedet, der uns den Weg zu den Weihen des Profischriftstellers geebnet hätte.
Was tun?

Das Testszenario

Die Ideen (oder Gedanken) stellen sich bei mir meistens kurz vor dem Einschlafen ein. Also dann, wenn der Körper seine Systeme auf Erholung schaltet und jede Aktion in Form von Bewegung einer Mount Everest-Mission gleicht.
Wie schafft man es trotzdem, sich selber ein Schnippchen zu schlagen und die wertvollen Ideen oder Gedanken zu retten?
Drei Methoden habe ich ausprobiert. Diese sind bei mir in die engere Auswahl gekommen, da ich Steintafeln oder eine Knotenschrift für nicht praktikabel halte.
Hier die Kandidaten:
Zettel und Stift (genannt der Notizblock)
ein Diktiergerät (mit Flashspeicher)
mein Smartphone (auch als Diktiergerät)

Oldschool – der Notizblock

Der Notizblock ist vergleichsweise die günstigste Lösung. Zur Erleuchtung kommt im Falle des Notizblocks die Beleuchtung (sofern es sich um eine nächtliche Idee handelt). Die wenigsten Leute schaffen es, bei völliger Dunkelheit zur schreiben und dies am nächsten Morgen zu entziffern. Als nächstes folgt die Anpassung der Augen an das Licht. Hier geht wertvolle Zeit verloren, in der sich die Idee anfängt zu verflüchtigen. Dies ist besonders schwierig, wenn man den genauen Wortlaut einer Textpassage im Kopf hat. Hat man diese Spanne überbrückt, sind eigentlich keine Hindernisse mehr vorhanden, die den kreativen Fluss aufhalten können. Es sei denn, der Partner fühlt sich, vielleicht zum wiederholten Male, durch die unfreiwillige Erhellung des Schlafzimmers gestört.

Die Brückentechnologie? – das Diktiergerät

Das Diktiergerät, welches früher mit (Mini)-Kassetten ausgestattet war, ist heute nur noch ein Schokoriegel großes, mit Technik vollgestopftes Gerät. Mit einer minimalen Aufweckzeit (für das Gerät) und einer Eintasten-Aufnahme-Funktion kann das Gerät im Dunkeln bedient und, wenn auch etwas nuschelig, der Text hinein gesprochen werden. Am nächsten Tag bleibt nur noch die Transkription des Textes in das Textverarbeitungsprogramm.
Das Diktiergerät schaltet sich nach einer bestimmten Zeit aus, so dass man selig in den Schlaf gleiten kann. Sollte man, wie unter Oldschool beschrieben, das Schlafzimmer mit einem Partner teilen, so kann man immer noch unter der Bettdecke seiner Kreativität freien Lauf lassen. Dies funktioniert wunderbar, es sei denn, man hat das Organ eines Marktschreiers.

Newschool – das Smartphone

Mit den heutigen Smartphones ist es möglich, wie bei einem Diktiergerät, Sprachnachrichten aufzunehmen und diese abzuspeichern. Auch das Smartphone kann man im Dunkeln bedienen. Allerdings muss das Gerät erst entsperrt werden. Ist der Fingerabdruck vielleicht noch in der Dunkelheit zu schaffen, sieht es mit der Gesichtserkennung schon anders aus. Hier meine ich nicht, dass ich eine Entsperrung mit dem (verknautschten) Schlafgesicht nicht möglich ist. Durch die Infrarottechnik müsste es auch im Dunkeln möglich sein, das Smartphone zu entsperren. Aber: Das Gesicht und Smartphone müssen so zueinander gehalten werden, dass die Technik funktioniert und dann dauert das Entsperren auch noch ein paar Sekunden. Auch sollte die App zur Sprachaufnahme schon gestartet sein, sonst ist man mehr mit dem Suchen der App und des Aufnahme-Buttons als mit dem Aufsprechen der Gedanken und Ideen beschäftigt. Hier gilt wiederum die Bettdecke als wirkungsvoller Schallstopper.

Das Fazit

Mein eindeutiger Favorit ist das Diktiergerät. Man benötigt genau einen Tastendruck, um das Gerät anzuschalten und die Aufnahme zu starten. So hat man die Gedanken noch fest im Griff und kann sie auf dem Flash-Speicher bannen.
Aber die Gedanken und Ideen kommen nicht nur zur nächtlichen Stunde. So schreibe ich mir auch schon einmal selbst eine E-Mail mit Texten oder benutze Papier, um Ideen nicht zu vergessen. Allerdings muss ich zugeben, dass die Papierideen schnell in elektronischen Text umgewandelt werden müssen, sonst werden sie von Papier und noch mehr Papier erstickt.
Wie man es macht, ist es richtig, denn am Schluss zählt nur, dass man dem Vergessen ein Schnippchen schlägt.

Stay tuned: #RohanDeRijk

VonRohan de Rijk

Resilienz – des Schriftstellers heimliche Waffe

Lesezeit: 2 Minuten

Resilienz

(von lateinisch resilire ‚zurückspringen‘ ‚abprallen‘) oder psychische Widerstandsfähigkeit ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. (Quelle: Wikipedia; https://de.wikipedia.org/wiki/Resilienz_(Psychologie)).

Keine Antwort auf Manuskript-Einsendungen.
Absagen nichts als Absagen.
Dies gehört zum Leben eines Schriftstellers, wenn er seine Werke bei Verlagen oder Wettbewerben einreicht. Obwohl ich gestehen muss, dass Veranstalter von Wettbewerben in 99,9% der Fälle antworten.
Auch mir ist es so ergangen und dies wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch einmal vorkommen.
Wut, Enttäuschung und die Frage nach der Qualität der eigenen Arbeit sind die erste Reaktion.
Die zweite wäre mit Sicherheit die Flinte ins Korn zu werfen, was sicherlich zu den schlechtesten Optionen in so einem Fall gehört.

Wut und Enttäuschung – ist diese Reaktion richtig?

Ja. Der Mensch möchte wahrgenommen werden. Und für den Schriftsteller sind Veröffentlichungen die Essenz seines Daseins. Mit den Einreichungen werden Erwartung verknüpft. Erwartungen, die ich in den Verlag, den Wettbewerb oder den Literaturagenten stecke und Erwartungen sind für viele (alle?) die Vorstufe zur Erfüllung. Wenn dieses Szenario nicht eintrifft, kann schon mal die Welt ein paar Risse bekommen.

Aber dann

Wut und Enttäuschung dürfen nicht für die Ewigkeit sein. Sie schnüren einen die Kreativität ab und schicken uns in eine Spirale, die sich immer schneller drehen wird, ohne dass wir auch nur einen Schritt weiterkommen.
Also Wut verrauchen lassen, überlegen, ob Korrekturen nötig sind und weitermachen.

Wer steckt hinter den Absagen und was ist das Warum:

  • Es sind immer Menschen, die daran interessiert sind, gute Literatur zu entdecken und denen sicherlich eine Absage schwerfällt. Diese Menschen haben auch Absagen erhalten.
  • Es ist nie persönlich gemeint. Im besten Fall hat der Entscheider ein Stückchen Vita und ein Foto in der Hand.
  • Verlage können nur Verlage sein (Literaturagenten können nur Literaturagenten sein), wenn sie Geld verdienen. Vielleicht passt der Text nicht ins Programm oder die Sparte ist überlaufen.
  • Selektion ist vom Lektor abhängig. Zehn Lektoren lehnen das Buch ab. Der elfte greift zu, es wird zum Bestseller und zehn Lektoren beißen sich in den Hintern.

Hier beginnt die Resilienz. Auch wenn »das Krönchen richten« die eine oder andere Zeiteinheit in Anspruch nimmt, so ist es immer noch die Fähigkeit, Niederlagen zu überwinden, um danach weiterzumachen, die zählt.

Wer die Stärke hat, weiterzumachen, ist im Vorteil, denn Absagen bekomme viele, vielleicht sogar alle Schriftsteller, aber den Schritt zu gehen und weiterzumachen schaffen nur wenige (ist übrigens eine Allzweckwaffe im Leben). Natürlich wird das kleine Teufelchen auf der Schulter sitzen und unflätige Sätze des Versagens ins Ohr flüstern. Aber das, was der gemarterte Schreiber dort hört, ist immer nur die Katastrophe, die er sich selbst ausmalt.
Gehen wir noch einmal zurück. Wie wir (wahrscheinlich) aus Erfahrung wissen, steht in Absagen nie der Grund. Das was das der Schulterteufel uns mitteilen will, ist die Ausgeburt unserer Versagensangst.

Also wischen wir das imaginäre Wesen von der Schulter und schreiben.

Stay tuned: #RohanDeRijk

VonRohan de Rijk

Hinter den Kulissen von „düster Zeilen“

Lesezeit: 2 Minuten

Ein Gedichtband im E-Books-Format.

Ich höre schon die Gemeinde der Schriftsteller aufschreien und sich das mehr oder minder schüttere Haar raufen (bei den Damen der Zunft wird das mehr oder weniger lange Haar geschüttelt).

Warum tut er sich das an? Wenn die Verkaufszahlen die zweistellige Marke erreichen, kann er sich glücklich schätzen.

Also warum?

Es ist ein Experiment.
Ein Experiment ohne Anspruch auf Erfolg.

Als erstes habe ich das Metier des E-Books noch nicht beackert. Sollte also ein Roman der erste sein, der die Hürde nehmen sollte. Für mich ein klares Nein.

Zum anderen wollte ich Marketing-Methoden ausprobieren, aber dazu später mehr.

Ob man ein Gedichtband nun als E-Books veröffentlichen sollte, ist Geschmacksache, sagen wir so wie Austernessen.

Viel wichtiger ist für mich die Frage, was bewegt einen, einen Gedichtband zu schreiben. Einen Gedichtband, der die düstere Seite des Lebens beleuchtet.

Keine Angst: „düster Zeilen“ enthält keine pre-suizidalen Gedanken.

Für mich ist es die eine Form mit dem Leben umzugehen. Keiner wird behaupten, dass er auf der Sonnenseite geboren wurde und dieses Fleckchen nie verlassen hat.

Dies ist unter anderem der Grund, warum ich keine Reime verwende oder Wert auf irgendein Versmaß lege. Die Gedichte sollen rau und ursprünglich sein. Die kaleidoskopische Betrachtungsweise des negativ Schmerzhaften bedeutet aber auch, dass das Leben immer noch den Ausgleich sucht, auf der anderen Seite begegnet einem das Licht.

Und jetzt zu den versprochenen Marketing-Methoden.

Der Trailer

Ein Trailer für ein literarisches Produkt?
Geschichten und Gedichte schaffen Bilder. Ganz eigene Bilder, die von Leser zu Leser so unterschiedlich sind, dass der Schriftsteller das Aussehen seiner Protagonisten und Handlungsorte auf den ersten Blick nicht wiedererkennen würde. Kann man diese Bilder erspüren und in einen 30-Sekunden-Film packen?

Bewerbe ich einen Film, kann ich aus den Szenen wie aus dem Vollen schöpfen.

Bei einem Gedichtband bleibt wegen der verschiedenen Gedichte nur die Stimmung. „düster Zeilen“ hat das Dunkel als Grundstimmung. Etwas, das tief verborgen unter einer Membran lauert und jederzeit dieses dünne Schutzhäutchen spalten kann.

Die Farben sind Sepia, die Hintergrundmusik ist epochal fordernd und bringt das Dunkel noch mehr zur Geltung.

Ich habe die klassischen Anleihen aus der traumhaften Symbolik gewählt, wobei normale Gegenstände durch ihre schattenhafte Präsenz eine mystifizierte Anmutung erhalten.

Würde ich es noch mal tun?

Ja. Der Aufwand hält sich in Grenzen. Der Spaß beim Schneiden und Vertonen ist, zumindest bei mir, sehr hoch angesiedelt.

Eines muss aber auch gesagt werden: Entweder entstehen die Filme mit der eigenen Kamera oder man benutzt Material, das dafür freigegeben wurde. Schriftsteller möchten nicht, dass ihre Werke kostenlos kopiert werden und so sollte man sich auch bei der Materialsammlung zu einem Trailer verhalten.

Hier gilt mein besonderer Dank an Pixabay.


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Guerilla-Marketing

„Und dann stellte er fest, dass die Normalität nicht gesehen wird.“

Guerilla-Marketing ist ein ideenreiches Marketing, bei dem es nicht auf die Größe des Budgets ankommt. Hier ist weniger mehr. Einfache Kampagnen oder Aktionen, die aber kreatives Potential enthalten, sind hier mehr gefragt als die Marktmacht des Geldes.

So war es mir nur recht und billig, die Werbeplakate der anstehenden NRW-Landtagswahl zu meinen Gunsten auszuleihen. Die Parteien mögen es mir verzeihen, auch wenn ich nicht preisgebe, wer sich darunter verbirgt.

Anders verhält es sich mit der Lady Liberty. Sie war ganz angetan (das Wort scharf verwende ich nicht), endlich einmal andere Lektüre als die Tabula ansanta in den Händen zu halten.

So oder so ähnlich ist es jedem möglich, für wenig Geld und mit einer Portion Hirnschmalz sein Buch in Szene zu setzen.

Mehr zu „düster Zeilen“ finden Sie hier.

Stay tuned: #RohanDeRijk