Monatsarchiv Mai 2022

VonRohan de Rijk

#78 Wo stehe ich

Lesezeit: 3 Minuten

Mittlerweile sind 58 Episoden vergangen und, wenn ich richtig gerechnet habe, 59 Wochen. Ich gestehe: Einmal musste ich den Podcast schlabbern.
Wo stehe ich jetzt, nach dieser Zei, mit meinem Lebensprojekt?

Ein ganz kurzer Rückblick

Ich möchte nicht mehr arbeiten. Das möchten viele, ich bin einer davon. Dabei geht es nicht darum, faul in der Hängematte zu liegen, sondern etwas Sinnstiftendes zu tun, in meinem Fall: Schreiben und NFTs (Non-Fungible Token). Wie funktioniert das? Nun, in meinem Fall habe ich das Projekt auf die Beine Immobilien, Aktien, ETFs und Krypto gestellt, dazu kommen noch die Verkäufe aus dem Bereich Buch und, hoffentlich irgendwann aus dem Bereich NFT. Zu Beginn brauchte ich 750.000 Euro, um ohne einen Verlust leben zu können (bis zur Rente). Heute sind es eine ganze Menge Scheine weniger.

So nun Butter bei die Fische

Als Erstes: Die Investitionen, in den oben genannten Bereichen halte ich immer noch für sinnvoll.
Leider hat sich nach einer anfänglichen Vermehrung (die war schon ordentlich) das ganze jetzt ins Minus gedreht.

Was ist passiert?

Dumm investiert? Nein. Hier spielt die Politik, und wie die Politik mit Krisen umgeht, eine riesige Rolle. Ich wollte nie politisch werden. Aber im Leben geht es nun einmal nicht ohne.
Krise 1: Zwei Jahre Corona ist zuviel und hat jede Menge Schaden angerichtet. Auch wenn es der eine oder andere nicht so gemerkt hat. Die Kaufkraft ist meiner Ansicht nach gesunken, das liegt unter anderem daran, dass viele Selbstständige die Segel streichen mussten. Wer dort angestellt war, war es auf einmal nicht mehr. Wer keine Arbeit hat, hat weniger Geld, wer weniger Geld hat, kann weniger kaufen. Wer weniger kaufen kann, wird nur das kaufen, was er dringend benötigt. Sowas schickt die Firmen, die nicht für den täglichen Bedarf produzieren, zumindest theoretisch auf Talfahrt.
Krise 2: Der unsinnige Krieg. Ob er nun dafür verantwortlich ist, welche Preise im Moment ausgerufen werden, kann ich nicht genau sagen. Aber die Annahme liegt nahe, dass so ein Krieg den einen oder anderen dazu verleitet, ein wenig oder ein wenig mehr an der Preisspirale zu drehen. Die Leidtragenden: Die ewig Gebeutelten.

Verschwörung

Ich halte nichts von den Verschwörungstheorien, die immer und überall kursieren. Dies ist mein einziger Satz dazu.

Wie geht es weiter

Erst einmal, es geht weiter. Der Aktienmarkt hat im Laufe der Zeit die eine oder andere Delle bekommen. Wenn man bedenkt, dass der erste dauerhafte Handel mit Aktien schon im Jahr 1612 in Amsterdam begonnen hat und Aktien immer noch ein Mittel, wenn nicht sogar das beste Mittel für die Geldanlage ist, dann kann diese Delle meinem Geld auf kurz oder lang nichts anhaben.
Es geht weiter. Ich werde weiter investieren. Ich werde Augen und Ohren offenhalten. Mich nach Chancen umsehen und nicht auf die hören, die das “Unken” schon fast exzessiv professionell betreiben.

Werde ich was ändern

Die Summe, die ich benötige, hat sich verringert. Dies bedeutet, die Schere zwischen “Habe ich” zu der Summe “Brauche ich”, hat sich merklich verkleinert, dies hat auch die fiktive Zeitspanne bis zum Erreichen der Summe X verringert.
Ich werde auch weiterhin den Aktien- und Krypto Markt beobachten und, wenn es sein muss, umschichten. Was ich nicht tun werde: Mich auf Möglichkeiten wie Hebel (Bewertung von Optionsscheinen) oder Hedgefonds einlassen. Liegt man goldrichtig, dann sprudelt es aus dem Goldesel. Liegt man falsch, dann war es das mit dem Geld. Kurze Info: Die meisten Anleger liegen falsch.

Nicht verzagen

Auch wenn sich die gegenwärtige Situation mies anfühlt (und hier geht es auch um den Krieg). Am Ende des Tunnels gab und gibt es immer wieder Licht.
Und wie sagte schon Gary Vaynerchuk, als er nach einem Garant für den Erfolg gefragt wurde: Patience.

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VonRohan de Rijk

#77 Die Firewall des Künstlers

Lesezeit: 3 Minuten

Ich bin kein Jurist. Aus diesem Grund sind die hier gemachten Aussagen keine Rechtsberatung, sondern spiegeln das wider, was ich recherchiert habe bzw. meine eigene Meinung.

In einer kopierten Welt

Die Firewall, der Schutz des Künstlers, in einer Welt, in der das Kopieren noch nie so einfach war.
Was ist die Brandmauer denn genau? Hier in Deutschland und ich kann nur für Deutschland reden, ist es das Urheberrechtsgesetz. Es schützt den Urheber und sein Werk vor was eigentlich?

Zäumen wir das Pferd beim Gesetz auf

UrhG – was sich anhört wie ein animalischer Schrei ist nichts anderes, als die Abkürzung für das Urheberrechtsgesetz oder Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte.
Das Gesetz verfügt über 143 Paragrafen. Es ist sicherlich müßig darüber zu diskutieren, dass man auch nur annähernd etwas hier in diesem Rahmen besprechen kann. Deshalb hier mein kleiner Lesetipp für schlaflose Nächte: https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/index.html

Ist die KI ein Schöpfer

Auf das Thema Urheberrecht kam ich, als ich versucht habe, Texte mithilfe einer KI zu generieren. Ich war von dem Ergebnis nicht überzeugt. Als Berichterstatter für Fußballergebnisse sieht es anders aus, aber als Autor für Thriller, no way, dass funktioniert nicht. Aber wer ist denn nun der Schöpfer der Texte oder, um dem Ganzen noch ein wenig mehr Schärfe zu verleihen, denn KIs können auch Bilder generieren, wer darf sich hier wirklich Schöpfer nennen?

Blöde KI

Die KI ist ein Stück Software und am Anfang ihrer Tage saublöd. Die Intelligenz bekommt sie erst durch das Training. Ein ganz bestimmtes Training. Eine Bilder-KI kann nur Bilder, eine Text-KI kann nur Text. Mit jedem Bild oder Text wird die KI schlauer, dies geschieht nach einem bestimmten Algorithmus. Das Ergebnis wird teilweise noch von Menschen gesichtet, damit die Fehlerquote gering bleibt. Nur ein kurzer Abriss, denn das Thema ist übelst kompliziert.

Wer ist denn nun der Schöpfer?

Generell gilt erst mal, dass Schöpfungen einer KI (also Bilder oder Texte) nicht im Sinne des Urheberrechts geschützt sind. Aber: Hat ein Mensch seine Finger im Spiel, könnte dies schon ein wenig anders aussehen.

Lasst uns ein Bild generieren

Es gibt die Möglichkeit, mit einer Zeile Text Bilder generieren zu lassen, z. B. Liebespaar in roter Kleidung. Die KI baut aus dem Text ein Bild, das zum jetzigen Zeitpunkt der Technik mehr oder weniger skurril aussieht und meistens von dem, was ich im Text beschrieben habe, sehr stark abweicht bzw. sehr verfremdet ist.
Als Mensch habe ich eingegriffen. Reicht dies, um im Sinne des Urheberrechts als Schöpfer zu gelten? Habe ich hoch genug geschöpft oder anders, ist die Schöpfungshöhe erreicht?

Was ist Schöpfungshöhe?

Nach § 2 Abs. 2 UrhG muss das Kunstwerk eine persönliche und geistige Schöpfung des Urhebers sein. Dies würde bedeuten, alles was ich mir ausdenke und zu einem Werk verarbeitete, egal ob Text oder Bild, würde einer gewissen Schöpfungshöhe entsprechen. Bei den Recherchen bin ich aber immer und immer wieder auf die Fragestellung gestoßen, ob die Schöpfung hoch genug sei. Dies wird auch immer und immer wieder von Gerichten beantwortet. Also ist die persönliche und geistige Schöpfung nicht immer ein Garant für den Faktor Schöpfungshöhe und muss, bei Zweifeln, durch die Damen und Herren in den schwarzen Roben geklärt werden.

KI fällt raus

Wir haben gelernt: Persönlich und geistig muss die Schöpfung sein. Damit ist die KI draußen. Das Werk wird nur erzeugt, wenn man die Maschine, also die KI, vorher mit Wissen mästet.
Aber wie sieht es mit dem “Futter” für die KI aus? Hier könnte es doch sein, dass man nicht das Urheberrecht erlangt, sondern dagegen verstößt.
Kann ich mich darauf verlassen, dass alle Trainingsdaten der KI vom Rechteinhaber abgesegnet wurden. Kann ich mich darauf verlassen, dass ich diese Fragmente wiederum für mein eigenes Kunstwerk verwenden kann und wenn ich die Schöpfungshöhe erreichen sollte, kann ich dann ein Urheberrecht geltend machen?
Die nicht rechtsberatende Antwort lautet: Nein.
Die KI wird mit Milliarden von Bildern gefüttert. Wie will man da nachhalten, ob alle Rechteinhaber zugestimmt haben (einige sind sicherlich schon von uns gegangen)? Bei Texten sieht es ein ganz klein wenig anders aus, da sie stärker fragmentiert werden können. So kann es durchaus vorkommen, dass Abschnitte oder Sätze aus verschiedenen Büchern entnommen wurden, und diese alle denselben Inhalt haben.

Spannend, aber lieber nicht die Finger verbrennen

KI ist ein spannendes Feld. Aber wenn man auf der sicheren Seite sein möchte, was die Kunst und den Verkauf der Kunst betrifft, so sollte man lieber sein Hirn selber anstrengen und kreativ werden.
Eine KI kann nicht etwas aus dem Nichts zaubern und das, was verwendet wird, hat jemand mit dem Schweiße seiner Kreativität erzeugt. Vielleicht wird es kein Urheberrechtsverfahren gegen KI erzeugte Bilder geben, auch wenn Rechteinhaber Fragmente erkennen. Aber wer möchte schon mit einem Könnte oder einem Vielleicht leben.

Deshalb zum Schluss mein salbungsvoller Tipp: Macht es selber. Textet selber, macht Fotos, bearbeitet diese und gebt dem Ganzen eine unveränderliche Handschrift.
Ach übrigens: Gegen Inspiration spricht nichts. Es gab noch nie einen Künstler, der sich nicht in irgendeiner Art und Weise hat inspirieren lassen.

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VonRohan de Rijk

#76 Mythos Kreativität

Lesezeit: 3 Minuten

Die Kreativität ist ein Geschenk des Himmels, nur wenige kommen in den Genuss dieses überbordenden Andersseins, das einen wie einen hellen Stern über die Menschheit erheben lässt.

So oder so ähnlich ist Kreativität

Moment, halt Stopp: Ist dies wirklich so oder wird hier etwas stilisiert, was vielleicht in den Genen eines jeden vorhanden ist?
Das klingt genauso ketzerisch wie der oben genannte Satz.
Aber was verbirgt sich hinter der Kreativität?
Ist es vielleicht nur ein wenig Bauernschläue, um durchs Leben zu kommen oder muss es die bahnbrechende Erfindung sein oder ein Kunstwerk, das auf gut Deutsch “mind blowing” ist?
Moment, halt Stopp: Das sind verschiedene Bereiche des Lebens. Gibt es verschiedene Kreativitäten oder ist ihr Einsatzbereich allumfassend?

Ist alles kreativ?

Ist Schuhe zubinden kreativ? Eher nicht. Ist die Erfindung der Schleife, damit ich mir die Schuhe zubinden kann, kreativ?
Auf alle Fälle.
Kreativität kann auch die Lösung eines Problems sein. Habe ich diese gefunden und ist diese außerordentlich gut, kann ich diese auch vermarkten.
Aber im Allgemeinen wird Kreativität mit Kunst in Verbindung gebracht.

Welten erschaffen und ungestraft morden

Die Kreativität ist das Werkzeug des Schriftstellers. Ohne sie würde man es nicht schaffen, etwas zu erschaffen, das in Wirklichkeit (oder in der Teilwirklichkeit) gar nicht gibt.
Das ist leicht. Das kann ich auch. Darüber solltest du mal ein Buch schreiben.
Stammtischsätze mit wenig Substanz. Denn wenn wir von Kreativität reden, müssen wir auch bedenken, dass es vielleicht nur ein klitzekleiner Einfall war, der Kern einer Geschichte, die Lösung eines Problems. Aber was kommt dann?

Kreativität wird zur Arbeit

Den Funken zu fangen, ihn zu bearbeiten und daraus ein großes Ganzes zu schaffen ist das, was dem großen K folgt und hier scheitern sehr viele (vielleicht sogar fast alle). Die tolle Idee zu einem Buch, eine Innovation in irgendetwas, ist das eine, das durchhalten, das leere Blatt des Schriftstellers, mit dem Selbstzweifel, dass die Idee vielleicht doch nur ein verglühender Funke war, zu leben, den Punkt zu überwinden, mit seinen Ängsten zu brechen, das macht den wahren Kreativen aus.

Sieht man es?

Nein, natürlich sieht man nicht den Schweiß, die vergossenen Tränen oder die eine oder andere Flasche Wein, durch die man versucht, dem “Was man macht” weiter Leben einzuhauchen. Die Welt sieht nur das Ende, das, was man in den Händen hält, seinen Hintern drauf bettet oder das man sich genüsslich hinter die Kiemen schiebt. Man sieht den Erfolg und ist (zumindest in Deutschland) neidisch (ketzerisch, denn es gibt auch den Gönnen-Typus) oder vielleicht erlebt man das Scheitern und freut sich insgeheim, weil der Typ oder die Typin sowieso ein aufgeblasenes Arschloch war (jedenfalls aus der Sicht des Ergötzenden).

Angeboren oder nicht bekommen?

Zurück zum Mythos. Gibt es angeborene Kreativität? Wie will man das beweisen, außer mit unsinnigen aber markigen Behauptungen? Es gibt sicherlich kein Gen für Kreativität.
Aber vielleicht wird auch die Kreativität von den Erziehungsberechtigten im Keim erstickt. Kreative sind Tagträumer, aus denen wird nie was, wie sollen die der Gesellschaft nütze sein, die liegen dem Staat nur auf der Tasche rum.
Glaubenssätze einer staatstreuen Mannschaft, die sich gern vor den Karren der Wirtschaft spannen lässt. Einer Mannschaft, denen, alles was über den Tellerrand hinausgeht, suspekt, vielleicht sogar gemeingefährlich, erscheint. Wer sind die Leidtragenden?
Richtig: Die Kinder.

Der Kreativmegamensch

Das größte Potenzial an Kreativität haben die Kinder. Wer den kleinen Menschen einmal zuhört, wie sie die Welt sehen, was sie gerne einmal machen möchten oder sei es auch nur die Schnelligkeit, mit denen sie die Dummheit der “Großen” verzeihen, der weiß, wo das Potenzial liegt. Es ist da, wird aber jeden Tag kleiner und jeden Tag wird es von der Gesellschaft immer weiter niedergeknüppelt, bis der kleine Kreative groß und ein Rädchen in der Erschaffung des Bruttosozialproduktes ist.

Mythos: No way

Kreativität ist kein Mythos. Es ist in uns drinnen. Bei manchen ganz tief verschüttet (worden) oder so nah an der Oberfläche, das ein Hauch genügt, um den Sturm der Gedanken zu entfesseln.
Es lohnt sich zu graben oder einfach nur den Hauch des Windes seine Arbeit machen zu lassen und das, was wir einmal waren, nämlich Kinder mit einer unbegrenzten Fantasie, wieder aufleben zu lassen.

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VonRohan de Rijk

#75 Was ich schreibe siehst du anders

Lesezeit: 3 Minuten

Der Film hat es einfach, (zumindest) was die Bilder im Kopf angehen. Dort wird alles im Voraus gecastet, in Szene gesetzt und so arrangiert (Musik, Farbe etc.), dass das Kopfkino nicht stattfinden kann. Alles wird fertig erlebbar serviert und ist immer und immer wieder wiederholbar in immer und immer wieder dergleichen Art und Weise.
Früher war alles besser. Was für ein abgedroschener durch eine rosa Brille betrachteter Blödsinn. Aber in der Zeit, wo es nur Bücher und Radios gab, da hatten die Menschen mehr damit zu tun, das Gelesene oder das Gehörte in Bilder zu verwandeln.

Schreiben, der Booster für das Kopfkino

Wie würde eine Figur aussehen, die der Schriftsteller nicht beschreiben würde?
Oder anders gesagt. Wie oft ist es mir passiert, dass ich mir eine Figur vorgestellt habe und dann kam der Schriftsteller mit Details um die Ecke. So war die Protagonistin schwarzhaarig und ich hatte sie mir blond vorgestellt, weil es besser zur Beschreibung des Autors passte. Nein, ich spreche hier nicht das Klischee “Blond” an. Nach der Offenbarung des Schriftstellers hatte ich Probleme, mir die Protagonistin auf einmal mit der anderen Haarfarbe vorzustellen und die Geschichte geriet für einige Zeit in Schieflage.

Also was tun?

Aus der Sicht des Schriftstellers denke ich, dass es gar nichts zu tun gibt. Eine Personenbeschreibung in den ersten Kapiteln kann die Geschichte kaputtmachen und der Leser löscht aus Langeweile das E-Book oder pfeffert das papiergebundene Pendant in die Ecke.
Auch ein: “Sie warf ihr braunes, langes Haar über ihre schmalen Schultern” hört sich hölzern und konstruiert an. So muss die Person an sich mit ihrem Charakter und insbesondere mit ihrem Aussehen behutsam in die Geschichte eingeführt werden.
Sonst wird das nix.

Aber ist alles so schlecht?

Macht es nicht den Reiz eines Buches aus, dass man sich die Personen, die Landschaft und einfach alles immer ein wenig anders vorstellt, als es der Schriftsteller tut?
Ich als Schriftsteller suche mir Bilder von einem fiktiven Menschen heraus, der dem Charakter und dem Aussehen des Protagonisten oder der Protagonistin entspricht. Dies hat eher einen praktischen Grund: Wenn ich das Aussehen beschreiben muss, sei es nun am Anfang oder im Verlauf der Geschichte, muss ich sehen, dass ich immer die gleiche Haarlänge (es sei denn, ich schicke ihn oder sie zum Frisör) oder andere körperliche Merkmale beschreibe. Also eher Mittel zum Zweck. Natürlich kann ich mit den Beschreibungen der Protagonisten und des weiblichen Pendants die Fantasie des Lesers in eine Richtung lenken. Aber ich wette, wenn die Leser das Bild, dass ich beim Schreiben benutzt habe, sehen würden, würde es mit dem, was sich im Kopf abgespielt hat, wenig bis gar nichts zu tun haben.
Und das finde ich großartig.

Unbegrenzte Versionen

So entstehen hunderte, tausende Kopfkino-Versionen meines Buches. Jede ist auf ihre Art gleich, aber auf eine andere, sehr individuelle Art auch anders.
Ich werde nie eine dieser Versionen erfahren können, aber dass es sie gibt, gibt einen ein Hochgefühl. Der Kick des Schriftstellers. Im Film kann ich die unglaublichsten Effekte erzielen. Aber mit wenigen Worten kann ich diese auch mit dem sehr persönlichen Touch erzeugen, indem ich auf das setze, was sich sowieso bei den Lesern abspielt: Die Fantasie, das mächtigste Werkzeug dieser Welt. Ohne Fantasie wären die wunderbaren Dinge auf dieser Welt nie erfunden worden. Und warum wurden sie erschaffen? Weil es Menschen gab, die die Fantasie ausnutzen, das scheinbar Unmögliche möglich zu machen.

Die alte Kunst des Geschichten Erzählens

Der Mensch war schon immer von Geschichten fasziniert, ob am Lagerfeuer oder als Hörbuch aus dem Radio oder den nachfolgenden Abspielgeräten. Die Überlieferung der Geschichte der Menschheit beruht auf Erzählungen (ja, auch die Bibel) und da wundert es nicht, dass die Geschichten mit der Zeit immer wieder abgewandelt wurden, voluminöser, schrecklicher, herzerweichender wurden. Der Mensch würzt Geschichten gerne mit dem, was er sich vorstellt, oder lenkt diese auch mal dahin, wo er sie gerne hätte (hier haben wir die ersten Fake-News).
Am Ende ist jede Geschichte, ob erzählt, gehört oder gelesen, immer eine persönliche Version von etwas, wo der Erzähler, der Sprecher oder der Schriftsteller dem Gegenüber ein Grundgerüst liefert.

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