Kategorien-Archiv Das Theorem Schreiben

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Ideenspeicher oder das „flüchtige“ Konservieren

Ideenspeicher oder das flüchtige Konservieren. Ein paar Gedanken.

Ideen – die flüchtigen Gesellen

Wer glaubt, oder versucht, einen Gedanken, am besten in Form einer umwerfenden Textpassage in seinem Hirn zu speichern, um diesen, sollte es in der Nacht geschehen sein, bei einer guten Tasse Morgenkaffee aufzuschreiben, wird eines Besseren belehrt.
Wer sich überhaupt erinnert oder sogar Fragmente durch die Nacht retten kann, ist gut. Aber meistens werden wir von einer Welle aus Alltäglichkeiten, die in den kommenden Stunden zu erledigen sind, überrollt. Vielleicht hat sich gerade diese Nacht ein Text ins Nirwana verabschiedet, der uns den Weg zu den Weihen des Profischriftstellers geebnet hätte.
Was tun?

Das Testszenario

Die Ideen (oder Gedanken) stellen sich bei mir meistens kurz vor dem Einschlafen ein. Also dann, wenn der Körper seine Systeme auf Erholung schaltet und jede Aktion in Form von Bewegung einer Mount Everest-Mission gleicht.
Wie schafft man es trotzdem, sich selber ein Schnippchen zu schlagen und die wertvollen Ideen oder Gedanken zu retten?
Drei Methoden habe ich ausprobiert. Diese sind bei mir in die engere Auswahl gekommen, da ich Steintafeln oder eine Knotenschrift für nicht praktikabel halte.
Hier die Kandidaten:
Zettel und Stift (genannt der Notizblock)
ein Diktiergerät (mit Flashspeicher)
mein Smartphone (auch als Diktiergerät)

Oldschool – der Notizblock

Der Notizblock ist vergleichsweise die günstigste Lösung. Zur Erleuchtung kommt im Falle des Notizblocks die Beleuchtung (sofern es sich um eine nächtliche Idee handelt). Die wenigsten Leute schaffen es, bei völliger Dunkelheit zur schreiben und dies am nächsten Morgen zu entziffern. Als nächstes folgt die Anpassung der Augen an das Licht. Hier geht wertvolle Zeit verloren, in der sich die Idee anfängt zu verflüchtigen. Dies ist besonders schwierig, wenn man den genauen Wortlaut einer Textpassage im Kopf hat. Hat man diese Spanne überbrückt, sind eigentlich keine Hindernisse mehr vorhanden, die den kreativen Fluss aufhalten können. Es sei denn, der Partner fühlt sich, vielleicht zum wiederholten Male, durch die unfreiwillige Erhellung des Schlafzimmers gestört.

Die Brückentechnologie? – das Diktiergerät

Das Diktiergerät, welches früher mit (Mini)-Kassetten ausgestattet war, ist heute nur noch ein Schokoriegel großes, mit Technik vollgestopftes Gerät. Mit einer minimalen Aufweckzeit (für das Gerät) und einer Eintasten-Aufnahme-Funktion kann das Gerät im Dunkeln bedient und, wenn auch etwas nuschelig, der Text hinein gesprochen werden. Am nächsten Tag bleibt nur noch die Transkription des Textes in das Textverarbeitungsprogramm.
Das Diktiergerät schaltet sich nach einer bestimmten Zeit aus, so dass man selig in den Schlaf gleiten kann. Sollte man, wie unter Oldschool beschrieben, das Schlafzimmer mit einem Partner teilen, so kann man immer noch unter der Bettdecke seiner Kreativität freien Lauf lassen. Dies funktioniert wunderbar, es sei denn, man hat das Organ eines Marktschreiers.

Newschool – das Smartphone

Mit den heutigen Smartphones ist es möglich, wie bei einem Diktiergerät, Sprachnachrichten aufzunehmen und diese abzuspeichern. Auch das Smartphone kann man im Dunkeln bedienen. Allerdings muss das Gerät erst entsperrt werden. Ist der Fingerabdruck vielleicht noch in der Dunkelheit zu schaffen, sieht es mit der Gesichtserkennung schon anders aus. Hier meine ich nicht, dass ich eine Entsperrung mit dem (verknautschten) Schlafgesicht nicht möglich ist. Durch die Infrarottechnik müsste es auch im Dunkeln möglich sein, das Smartphone zu entsperren. Aber: Das Gesicht und Smartphone müssen so zueinander gehalten werden, dass die Technik funktioniert und dann dauert das Entsperren auch noch ein paar Sekunden. Auch sollte die App zur Sprachaufnahme schon gestartet sein, sonst ist man mehr mit dem Suchen der App und des Aufnahme-Buttons als mit dem Aufsprechen der Gedanken und Ideen beschäftigt. Hier gilt wiederum die Bettdecke als wirkungsvoller Schallstopper.

Das Fazit

Mein eindeutiger Favorit ist das Diktiergerät. Man benötigt genau einen Tastendruck, um das Gerät anzuschalten und die Aufnahme zu starten. So hat man die Gedanken noch fest im Griff und kann sie auf dem Flash-Speicher bannen.
Aber die Gedanken und Ideen kommen nicht nur zur nächtlichen Stunde. So schreibe ich mir auch schon einmal selbst eine E-Mail mit Texten oder benutze Papier, um Ideen nicht zu vergessen. Allerdings muss ich zugeben, dass die Papierideen schnell in elektronischen Text umgewandelt werden müssen, sonst werden sie von Papier und noch mehr Papier erstickt.
Wie man es macht, ist es richtig, denn am Schluss zählt nur, dass man dem Vergessen ein Schnippchen schlägt.

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Resilienz – des Schriftstellers heimliche Waffe

Resilienz - des Schriftstellers heimliche Waffe

Resilienz

(von lateinisch resilire ‚zurückspringen‘ ‚abprallen‘) oder psychische Widerstandsfähigkeit ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. (Quelle: Wikipedia; https://de.wikipedia.org/wiki/Resilienz_(Psychologie)).

Keine Antwort auf Manuskript-Einsendungen.
Absagen nichts als Absagen.
Dies gehört zum Leben eines Schriftstellers, wenn er seine Werke bei Verlagen oder Wettbewerben einreicht. Obwohl ich gestehen muss, dass Veranstalter von Wettbewerben in 99,9% der Fälle antworten.
Auch mir ist es so ergangen und dies wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch einmal vorkommen.
Wut, Enttäuschung und die Frage nach der Qualität der eigenen Arbeit sind die erste Reaktion.
Die zweite wäre mit Sicherheit die Flinte ins Korn zu werfen, was sicherlich zu den schlechtesten Optionen in so einem Fall gehört.

Wut und Enttäuschung – ist diese Reaktion richtig?

Ja. Der Mensch möchte wahrgenommen werden. Und für den Schriftsteller sind Veröffentlichungen die Essenz seines Daseins. Mit den Einreichungen werden Erwartung verknüpft. Erwartungen, die ich in den Verlag, den Wettbewerb oder den Literaturagenten stecke und Erwartungen sind für viele (alle?) die Vorstufe zur Erfüllung. Wenn dieses Szenario nicht eintrifft, kann schon mal die Welt ein paar Risse bekommen.

Aber dann

Wut und Enttäuschung dürfen nicht für die Ewigkeit sein. Sie schnüren einen die Kreativität ab und schicken uns in eine Spirale, die sich immer schneller drehen wird, ohne dass wir auch nur einen Schritt weiterkommen.
Also Wut verrauchen lassen, überlegen, ob Korrekturen nötig sind und weitermachen.

Wer steckt hinter den Absagen und was ist das Warum:

  • Es sind immer Menschen, die daran interessiert sind, gute Literatur zu entdecken und denen sicherlich eine Absage schwerfällt. Diese Menschen haben auch Absagen erhalten.
  • Es ist nie persönlich gemeint. Im besten Fall hat der Entscheider ein Stückchen Vita und ein Foto in der Hand.
  • Verlage können nur Verlage sein (Literaturagenten können nur Literaturagenten sein), wenn sie Geld verdienen. Vielleicht passt der Text nicht ins Programm oder die Sparte ist überlaufen.
  • Selektion ist vom Lektor abhängig. Zehn Lektoren lehnen das Buch ab. Der elfte greift zu, es wird zum Bestseller und zehn Lektoren beißen sich in den Hintern.

Hier beginnt die Resilienz. Auch wenn »das Krönchen richten« die eine oder andere Zeiteinheit in Anspruch nimmt, so ist es immer noch die Fähigkeit, Niederlagen zu überwinden, um danach weiterzumachen, die zählt.

Wer die Stärke hat, weiterzumachen, ist im Vorteil, denn Absagen bekomme viele, vielleicht sogar alle Schriftsteller, aber den Schritt zu gehen und weiterzumachen schaffen nur wenige (ist übrigens eine Allzweckwaffe im Leben). Natürlich wird das kleine Teufelchen auf der Schulter sitzen und unflätige Sätze des Versagens ins Ohr flüstern. Aber das, was der gemarterte Schreiber dort hört, ist immer nur die Katastrophe, die er sich selbst ausmalt.
Gehen wir noch einmal zurück. Wie wir (wahrscheinlich) aus Erfahrung wissen, steht in Absagen nie der Grund. Das was das der Schulterteufel uns mitteilen will, ist die Ausgeburt unserer Versagensangst.

Also wischen wir das imaginäre Wesen von der Schulter und schreiben.

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Hinter den Kulissen von „düster Zeilen“

Wallhal gebiert nie Entwurf

Ein Gedichtband im E-Books-Format.

Ich höre schon die Gemeinde der Schriftsteller aufschreien und sich das mehr oder minder schüttere Haar raufen (bei den Damen der Zunft wird das mehr oder weniger lange Haar geschüttelt).

Warum tut er sich das an? Wenn die Verkaufszahlen die zweistellige Marke erreichen, kann er sich glücklich schätzen.

Also warum?

Es ist ein Experiment.
Ein Experiment ohne Anspruch auf Erfolg.

Als erstes habe ich das Metier des E-Books noch nicht beackert. Sollte also ein Roman der erste sein, der die Hürde nehmen sollte. Für mich ein klares Nein.

Zum anderen wollte ich Marketing-Methoden ausprobieren, aber dazu später mehr.

Ob man ein Gedichtband nun als E-Books veröffentlichen sollte, ist Geschmacksache, sagen wir so wie Austernessen.

Viel wichtiger ist für mich die Frage, was bewegt einen, einen Gedichtband zu schreiben. Einen Gedichtband, der die düstere Seite des Lebens beleuchtet.

Keine Angst: „düster Zeilen“ enthält keine pre-suizidalen Gedanken.

Für mich ist es die eine Form mit dem Leben umzugehen. Keiner wird behaupten, dass er auf der Sonnenseite geboren wurde und dieses Fleckchen nie verlassen hat.

Dies ist unter anderem der Grund, warum ich keine Reime verwende oder Wert auf irgendein Versmaß lege. Die Gedichte sollen rau und ursprünglich sein. Die kaleidoskopische Betrachtungsweise des negativ Schmerzhaften bedeutet aber auch, dass das Leben immer noch den Ausgleich sucht, auf der anderen Seite begegnet einem das Licht.

Und jetzt zu den versprochenen Marketing-Methoden.

Der Trailer

Ein Trailer für ein literarisches Produkt?
Geschichten und Gedichte schaffen Bilder. Ganz eigene Bilder, die von Leser zu Leser so unterschiedlich sind, dass der Schriftsteller das Aussehen seiner Protagonisten und Handlungsorte auf den ersten Blick nicht wiedererkennen würde. Kann man diese Bilder erspüren und in einen 30-Sekunden-Film packen?

Bewerbe ich einen Film, kann ich aus den Szenen wie aus dem Vollen schöpfen.

Bei einem Gedichtband bleibt wegen der verschiedenen Gedichte nur die Stimmung. „düster Zeilen“ hat das Dunkel als Grundstimmung. Etwas, das tief verborgen unter einer Membran lauert und jederzeit dieses dünne Schutzhäutchen spalten kann.

Die Farben sind Sepia, die Hintergrundmusik ist epochal fordernd und bringt das Dunkel noch mehr zur Geltung.

Ich habe die klassischen Anleihen aus der traumhaften Symbolik gewählt, wobei normale Gegenstände durch ihre schattenhafte Präsenz eine mystifizierte Anmutung erhalten.

Würde ich es noch mal tun?

Ja. Der Aufwand hält sich in Grenzen. Der Spaß beim Schneiden und Vertonen ist, zumindest bei mir, sehr hoch angesiedelt.

Eines muss aber auch gesagt werden: Entweder entstehen die Filme mit der eigenen Kamera oder man benutzt Material, das dafür freigegeben wurde. Schriftsteller möchten nicht, dass ihre Werke kostenlos kopiert werden und so sollte man sich auch bei der Materialsammlung zu einem Trailer verhalten.

Hier gilt mein besonderer Dank an Pixabay.

Guerilla-Marketing

„Und dann stellte er fest, dass die Normalität nicht gesehen wird.“

Guerilla-Marketing ist ein ideenreiches Marketing, bei dem es nicht auf die Größe des Budgets ankommt. Hier ist weniger mehr. Einfache Kampagnen oder Aktionen, die aber kreatives Potential enthalten, sind hier mehr gefragt als die Marktmacht des Geldes.

So war es mir nur recht und billig, die Werbeplakate der anstehenden NRW-Landtagswahl zu meinen Gunsten auszuleihen. Die Parteien mögen es mir verzeihen, auch wenn ich nicht preisgebe, wer sich darunter verbirgt.

Anders verhält es sich mit der Lady Liberty. Sie war ganz angetan (das Wort scharf verwende ich nicht), endlich einmal andere Lektüre als die Tabula ansanta in den Händen zu halten.

So oder so ähnlich ist es jedem möglich, für wenig Geld und mit einer Portion Hirnschmalz sein Buch in Szene zu setzen.

Mehr zu „düster Zeilen“ finden Sie hier.

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Künstlername, Pseudonym, Ordensname

Künstlername, Pseudonym, Ordensname

Wofür braucht man als Künstler ein Pseudonym?

  • Mein richtiger Name ist unaussprechlich
  • Meinen Namen kann keiner schreiben
  • Meine Umwelt soll nicht erfahren, dass ich erotische Literatur schreibe
  • Ich finde es einfach cool und kann damit vor meinen Kumpels posen

So, die Gründe wären geklärt. Wahlweise kann man noch seine eigene Motivation hinzufügen.

Ich habe mich für das Pseudonym Rohan de Rijk entschieden.

Wer Geschichten mag, kommt jetzt auf seine Kosten.

Rohan habe ich aus Herr der Ringe. Rohan ist dort ein Land und ein Königreich. Schon mal ganz gut, wenn es nicht alltäglich sein soll.

Der Vorname stand fest, jetzt musste der zweite Teil des Pseudonyms her.

Die Geschichte geht weiter:

Eines dunklen Morgens stand ich an einer roten Ampel. Vor mir bog ein LKW aus den Niederlanden auf die Straße ein. Auf dem Trailer stand »de Rijk«. Ich verband den vorhandenen Vornamen und die LKW-Aufschrift miteinander und fand, dass es gut klingt.

Der Entschluss

Ich wäre nicht ich, wenn ich nicht noch mehr möchte. Das Pseudonym auf einem Buch unter einem Artikel oder als Domain, das klingt schon gut, aber ich wollte die Königsklasse.

Das Pseudonym sollte in den Ausweis.

Ich fand den Gedanken hervorragend. Der Gesetzgeber allerdings nicht. Drei Jahre war es nicht möglich, sein Pseudonym eintragen zu lassen. Der Gesetzgeber hatte ein Einsehen mit den Künstlern und das Gesetz wurde geändert.

Der Wunsch geriet in Vergessenheit, erlebt dann im Jahr 2016 eine Renaissance.

Wie kommt der Wunsch in den Ausweis?

Hier mein Weg (ohne Leiden):

Die Liste

Anruf bei der Ausweisstelle, man will ja vorher informiert sein.
Der Amtsmann wollte den Beweis, dass ich in einem Verband Mitglied bin. Gut, dachte ich mir, nimm aber noch zur Vorsicht ein paar Unterlagen mehr mit.

Hier die Liste, der Unterlagen, die ich zum Amt geschleppt habe:

  • Bescheinigung über eine Mitgliedschaft in einem Verband. Bei mir der BVjA.
  • Bescheinigung des Finanzamtes über die Anmeldung als Schriftsteller
  • Vertrag mit der VG Wort
  • Vertrag über die Einrichtung meiner Domain
  • Kopien von Facebook, Twitter und Web-Site
  • Veröffentlichungen: Buch, Artikel in Zeitschriften und Zeitungen
  • Veranstaltungsflyer

Auf dem Amt

Märkchen gezogen und sich auf einem der unbequemen Holz-Metall-Konstruktionen (Stuhl) bequem gemacht.

Nach etlichen zwangsweise belauschten Gesprächen über das deutsche Beamtentum leuchtet meine Nummer in Rot auf.

Ich trete ein, tue so, als wäre ich nicht aufgeregt, und trage mein Anliegen vor.

Die Sachbearbeiterin verlangt die Bescheinigung über die Mitgliedschaft in einem Verband (BVjA) und zusätzlich noch den Vertrag mit der VG Wort (dort ist mein Pseudonym angegeben).

Und jetzt kommt es: Das war es. Ich habe die Gebühr für den neuen Ausweis bezahlt und habe nun mein Pseudonym im Ausweis stehen.

Ich wohne in Mönchengladbach und kann auch nur wiedergeben, wie die Ausweisstelle in der Vitusstadt Pseudonyme anerkennt.

Aus verschiedenen Posts in Facebook weiß ich, dass es in anderen Städten sehr viel schwerer ist, sich sein Pseudonym eintragen zu lassen.

Vielleicht hilft der Artikel, den Kopf nicht hängen zu lassen und noch einmal mit neuen Elan die Sache in die Hand zu nehmen.

Es ist ein schönes Gefühl, als Künstler mit seinem Pseudonym in einem offiziellen Dokument zu stehen.

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Lampenfieber

Lampenfieber

Lampenfieber

Lampenfieber – die typische Krankheit von Musikern und Schauspielern, was stört es mich, denke ich.

Wäre dies kein Blog, sondern ein Video, würde das disharmonische Kreischen einer Diamantnadel auf Vinyl den Raum erfüllen.

Schlagartig poltert ein Gedanke durch mein kreatives Denkbrötchen.
»Der Gig des Schriftstellers nennt sich: Lesung.«

Rollen wir die Zeit ein bisschen vor.
Der Schreck ist weg.
Das Buch hat alle Hürden, die es vor einer Veröffentlichung nehmen muss, gemeistert. Das Glück macht sich als Dauergrinsen im Gesicht breit.

Wieder durchdring ein Geräusch die Stille des Raums.
Das Telefon.
Mein Kontaktmann beim Verlag.
Seine freudig erregte Stimme weckt Bilder in mir, die irgendetwas mit Bestseller-Liste zu tun haben. Bis zu dem Moment, wo mein Gehör das Wort »Lesereise« auf die Synapsen loslässt.
Bleiche koloriert mein Gesicht und die Schweißdrüsen geben dem Telefon eine Haptik von Seife. Ich versuche, professionelle Freude zu versprühen, und warte darauf, dass mir mein Blutdruck den Gar ausmacht.

Rollen wir die Zeit wieder ein Stückchen nach vorne – cool wenn man das kann, nöh.

Der Hinrichtungstermin, ich meine natürlich die Lesung, rückt immer näher. Die Textpassagen sind im Buch markiert (mein Kontaktmann hat mir abgeraten, die Stellen in Groß auszudrucken, anstatt sie aus dem Buch vorzulesen. Hat irgendeinen Marketing-Grund). Also die Sehkraft noch mal gecheckt, nichts wäre blöder, als den Text am Tag des Vollzugs in eine Buchstabensuppe zu verwandeln, nur weil die Eitelkeit keine stärke Dioptrien verträgt.
Marketing habe ich mir anders vorgestellt.

Es ist so weit. Die Kleidung gerichtet. Die Dosen-Dusche wickelt einen in einen olfaktorischen, aluminiumfreien Umhang. Atmung und Puls haben ein Eigenleben entwickelt und sind nur noch schwer zu kontrollieren.
Der Countdown läuft.
Licht, Mikro, Publikum. Mein Bermuda-Dreieck für diesen Abend.
Eine karge Begrüßung, die sich aus Bruchstücken meiner Kinderstube zusammensetzt.
Die ersten Sätze holpern etwas ungeschickt von der Zunge, aber ich merke einen Flow.
Ich werde besser. Die Geschichte beginnt zu fließen und bekommt einen Körper, wie guter alter Rotwein.

Geschafft. Der Applaus brandet wie durch eine Watteschicht. Ich habe es geschafft.

Ich habe etwas gelernt, etwas, das ich mit allen Kreativen dieser Welt teile.
Lampenfieber.
Lampenfieber gehört zum Geschäft. Genießen kann ich es nicht, ich muss es akzeptieren.

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Anfängergeist

Anfängergeist

„Anfängergeist, was soll das? Ich habe schon mehrere Bücher herausgebracht, einige standen sogar auf der Bestsellerliste im Niemandsland und jetzt soll ich von vorne anfangen?
Der Schweiß, die Arbeit und nicht zu vergessen die unzähligen Flaschen Rotwein (ja, ein Künstler muss dem Klischee entsprechen) zeugen davon, dass ich gelernt habe. Widerspenstige Charaktere habe ich geformt, Menschen zusammengebracht und sogar gemordet und das soll alles auf Null gesetzt werden?“

Dies könnte ein fiktiver Aufruhr aus den Weiten der Bits und Bytes sein.
Aber was ist der Anfängergeist?

Anfängergeist ist nicht ein Novize im Geisterhandwerk.
Anfängergeist ist nicht der erste Brand bei der Schnapsherstellung.

Anfängergeist ist ein Blickwinkel.
Der Profi kennt sein Handwerk, er weiß, wie ein Cliffhanger auszusehen hat. Seine Protagonisten haben differenziert geschliffene Psychen und er weiß, wie man sich in die Bestsellerlisten schreibt.

Sollte man von ihm lernen?
Nur bedingt!

Hat ein Neuling oder derjenige, Achtung jetzt kommt das Hauptthema, der den Anfängergeist besitzt, nicht einen besseren Blick, einen unverbrauchten Stil?
Er ist noch nicht, oder wird es nicht, in ein Schema gepresst.
Never change a winning-Schreibweise – genau das wird langweilig. Den Erfolg immer wieder mit anderen Figuren und Orten am Kochen halten. Der fade Geschmack der Kopie wird diesen Werken anhaften.

Es gibt eine Lösung: Den Anfängergeist. Die Rückbesinnung und den Mut, den Pfad der Lemminge zu verlassen.
Die Fragen eines Neulings, den Blickwinkel eines Beginners, das Herz eines Kindes. Dies alles brauchen wir, um etwas zu erschaffen, das mit dem Alten bricht, die Perspektive der Sicht so verschiebt, dass auch Altes wunderbar neu erscheinen kann.

Hier endet mein erster Artikel.

Wie geht es weiter?
Wir werden die Geburt eines Buches erleben, ja auch die Zeugung. Wer jetzt seiner Fantasie freien Lauf lässt, könnte ein Stück des Anfängergeistes spüren.

Wie werde ich Schriftsteller? Eine berechtigte Frage in einer Zeit, in der die Information den Geist verklebt.

Und was kommt noch?
Diese Frage wird mein alter Freund die Zeit beantworten, er hat mich noch nie enttäuscht, also bleiben wir gespannt.

Und wer mehr über den Anfängergeist erfahren will, dem hilft der Buddhismus und insbesondre Suzuki Shunryū weiter.